Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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Plünderung von Mainz. Gutenberg in Eltville.

sErstes

Buchdruckerpresse schneller und wohlfeiler druckt als die alte hölzerneHandpresse, so ist das Wesen ihrer Benutzung doch ganz dasselbe, Papier und Schwärze sind aber in den Inkunabeln viel besser uud namentlichdauerhafter als bei der Mehrzahl der heutigen Bücher. Heutzutagewerden die ersten Denkmäler der Mainzer Presse förmlich mit Gold auf-gewogen. Ein Pergament-Exemplar der zweiundvierzigzeiligen Bibel wurdevon Merlin de Thionville , als er sich 1793 als französischer Regiernngs-kommissar in Mainz aufhielt, aus der dortigen Universitätsbibliothek ge-stohlen und dem Buchhändler Nicol in London verkauft, welcher es für504 Pfd. St. dem bekannten dortigen Bierbrauer Perkins überließ. ImJahre 1868 mit dessen Bibliothek veräußert, brachte es 3400 Pfd. St.oder 68000 Mark, während ein Papier -Exemplar derselben Bibel für2648 Pfd. St. oder 52960 Mark aus der genannten Sammlung ver-kauft wurde. Das Pergament-Exemplar in der reichen Klemmschen In-kunabeln-Sammlung in Dresden hat 66000 Mark gekostet. Wie beschei-den man in Deutschland noch vor kaum fünfzig Jahren über den Wertderartiger Schätze dachte, das beweist am besten der Eintrag einerSchätzung Jakob Grimms m ein anderes Papier -Exemplar ebenderselbenBibel, welche der göttinger Universitätsbibliothek gehört und deren Wertvon dem berühmten Gelehrten auf nur 500 Thaler veranschlagt wurde.

Nicht lange nach der Ausgabe desOattwlioou" brach in Mainz der offene Kampf zwischen den beiden einander befehdenden Kurfürstenaus, indem diese nach einem verworrenen Jntriguenspiel endlich zu denWaffen griffen (1462). Adolf von Nassau besiegte den Erzbischof Diethervon Jsenburg, nahm die Stadt Mainz im Sturme und plünderte sienicht allein, sondern beraubte sie auch ihrer Freiheiten. Gutenberg scheintsich erst nach der Katastrophe nach dem benachbarten Eltville begeben zuhaben, wo er am 17. Januar 1465 vom Erzbischof Adolffür die ihmund seinem Stifte geleisteten willigen Dienste" zum lebenslänglichen Hof-dienste angenommen wurde. In solchem erhielt er alle Jahre ein neuesKleid, gleich dem übrigen gemeinen Hofgesinde, 20 Malter Korn und2 Fuder Wein, sodaß er wenigstens vor Nahrungssorgen geschütztwar. Die Worte der Bestallung deuten jedoch auf ein lediglich per-sönliches Verhältnis des Erzbischofs zum Meister und schließen die An-nahme einer kargen Belohnung für seine große Erfindung unbedingtaus. Lange genoß Gutenberg seine Ruhe nicht mehr, denn er starb zu