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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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59
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Kapitels

Aufnahme der Kunst seitens der Bücherfreunde.

5.9

liefern die Bestellungen, welche einzelne Klöster schon Schöfscr undspätern Druckern zur Anfertigung von Prachtmissalcu und Breviarimerteilten, dcu beste» Beweis für die Thatsache, daß die bücherkaufendenKenner von Anfang an die Herstellung der Luxusdrucke schon in ihrenkleinsten Einzelheiten kannten.

Wie aber verhielten sich die damaligen privilegierten Klassen, dieGeistlichen und der Adel, die Gelehrten und Reichen zur neuen Er-findung? Die Bücherfreunde zunächst begegneten ihr mit deinselbenMißtrauen und Übelwollen, welches die in ihrem bisherigen Besitz ge-störte» oder bedrohten Gewerbe, namentlich die Schreiber, Formschneidcrund Kartenmaler so lange gegen sie hegten, als sie sich noch nickt vonder Gemeinsamkeit ihrer Interessen mit denen der Drncker zu überzeugenvermochten. Die reichen Bücherliebhaber zunächst hatten gerade, wieschon erwähnt, zur Zeit des ersten Auftretens der Buchdruckerkuust undnoch bis gegen das Ende des 15. Jahrhunderts eine besondere Borliebefür die Sammlung von kostbaren Bibliotheken, für die Musterleistungender Schönschrciber. So spotteten denn auch die Abgesandten des Kar-dinals Bessarion, als sie bei Konstantin Laskaris das erste gedruckteBuch sahen, über die beiden Barbaren in einer Stadt Deutschlands "gemachte Erfindung. Vespasiano de Bisticci sagt 1482 mit einer ge-wissen gewerbsmäßigen Abneigung des alten Handschriftenhändlers vonden Schätzen der Urbinischen Bibliothek:In ihr sind alle Bände vonuutadelhafter Schönheit, mit zierlichen Miniaturen, sämtlich auf Perga-ment nrit der Hand geschrieben. Kein gedrucktes Buch findet sich dar-unter: der Herzog Federigo würde sich eines solchen geschämt haben." ^Man verachtete eben zum Teil die neue Kunst als gewöhnliches Hand-werk, welches nur Bücher ohne Schmuck zu liefern vermöge. Die Hand-schrift galt deshalb, zugleich auch weil sie teuerer und weniger zugäng-lich war, als vornehmer. So kommen denn noch Jahrzehnte nach Aus-gabe der ersten gedruckten Bücher reich ausgestattete Manuskripte vor,namentlich italienische .und französische Gebet- und Erbauungsbücher(llorae, Usurss). In der baseler Bibliothek befindet sich unter andermein prachtvolles, auf Pergament geschriebenes und mit herrlichen Minia-turen und Initialen geschmücktes Exemplar des Virgil, welches JohannHeynlein de Lapide sich hatte anfertigen lassen, als die von Schweinheimund Pannartz auf Pergament gedruckte Ausgabe desselben Dichters schon