Kapitel.Z
Anfängliche Stellung der Kirche zur Kunst.
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Charakter entspricht, und dein Bedürfnis, ans eine ideelle Weise mit-einander in Zusammenhang zu stehen, entgegengekommen ist. Insofernsich in dem Studium der Alten die Liebe zu menschlichen Thaten undTugenden kundthut, hat hie Kirche daran noch kein Arges gehabt undsie hat nicht bemerkt, daß in jenen fremden Werken ihr ein ganz fremdesPrinzip entgegentrat." Es war also ein sehr glücklicher Umstand, daßdie Buchdruckerkunst unter dem Pontifitat des gelehrten und umsichtigenFörderers der Wissenschaften, des eifrigen Büchcrsammlcrs Nikolaus V. (1447 bis 1455) erfunden und zuerst ausgeübt wurde. Auch seine unmittelbaren Nachfolger, darunter namentlich Pins II. (1458 bis 1464),Sixtus IV. (1471 bis 1484), Alexander VI. (1492 bis 1503), Jnlius II.(1503 bis 1513) und Leo X . (1513 bis 1522), zum großen Teil pracht-liebcnde, freigcistigc, ja sittlich verworfene und verbrecherische, aber stetsklug ihren Vorteil berechnende, bedeutende Kirchcnfürsten, welche mehrim Geiste römischer Imperatoren, denn als Väter der Christenheitregierten, erkannten den hohen Wert der Presse, als des besten Mittelszur Behauptung und Ausbreitung ihrer Herrschaft, und faßten vorzugs-weise die eine Thatsache ins Auge, daß bei dem damaligen verderbtenCharakter des Klerus das gedruckte Wort über die engen Mauern derKlöster und Kirchen hinaus überzeugender und zündender zu weit größernMassen von Gläubigen reden könnte als das gesprochene.
Wenn nun bereits die bildende Kunst der Renaissance, gezeigt hatte undtäglich mehr zeigte, daß der durch die Antike veredelte Geschmack sich keines-Wegs von den Überlieferungen der Kirche abgewandt, sondern, durch dasStudium der Alten gehoben, deren Helden uud Mythen noch vergeistigtund veredelt hatte, so konnte auch der Buchdruck den oberflächlich undleichtsinnig denkenden Würdenträgern der Kirche um so weniger ernstlicheBedenken erregen. Hatte er doch in seiner ersten praktischen Leistung,den zu Anfang der fünfziger Jahre von Gutcnbcrg gedruckten Ablaß-briefen, den vollgültigen Beweis für seine Brauchbarkeit geliefert und ließer sich doch ebenso gut zur Uuiformicrung des Gedankens, zur bessernBeaufsichtigung der kirchlichen Lehrsätze uud zur Ausschließuug ketzerischerAnsichten, kurz zur Förderung geistlicher Zwecke überhaupt verwenden.Aber es kam anders!
Wie die Päpste, so erwiesen sich auch die damaligen Kardinäle undsonstigen vornehmen italienischen Geistlichen als eifrige Förderer der Buch-