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^Zweites
orthodoxe. Buchdruck und Buchhandel waren, wenn sie blühen wollten,von Ansang an auf sie hingewiesen; ihr Wesen und Inhalt waren nurein Abbild des Willens einer hohen Geistlichkeit, deren Schutz jene nichtentraten konnten. Wie ängstlich vorsorgend aber der Klerus darauf be-dacht war, sich diese dominirende Stellung der aufblühenden Kunst gegen-über zu bewahren, ersieht man aus der eben berichteten Einführung einerförmlichen Büchercensur, noch ehe er selbst durch das Aufleben der huma-nistischen Studien sich ernstlich bedrängt sehen konnte. Bei diesem geist-lichen Übergewicht erscheint die Thätigkeit eines Mannes um so aus-fälliger, der in? Gegensatz zu allem Herkommen und zu seiner ganzenUmgebung Jahrzehnte hindurch von der Idee getragen wird, die Pflegeder klassischen Studien auch in seinem engern Vaterlande zu verbreiten.Dieser Mann war der 1485 zu Köln geborene Gottsried Hittorp.^°Vom Beginn seiner Thätigkeit als Berlagsbuchhändler an, im Jahre1511 zu Paris , bis 1525 war er unausgesetzt der Pflege der klassischenLitteratur zugethan. Was ihn dann für die übrige Zeit seines Wir-kens abgehalten, auf der betretenen Bahn weiter fortzuschreiten, ist nichterwiesen, bezeichnend genug ist es aber, daß der einzige in Köln vor-kommende humanistische Anlauf schließlich doch im Sande verlief. GottfriedHittorp nun setzte eine große Zahl von Druckereien in Thätigkeit, überderen Mitwirkung im Zusammenhang mit der Praxis anderer großerVerleger das fünfte Kapitel ausführlicher berichten wird. Für den Ver-trieb seines Verlags unterhielt er anfänglich eine von seinem Gesell-schafter Ludwig Horncken (aus Grüningen gebürtig) geleitete Komman-dite in Paris, dann von 1513 bis 1524 solche in Leipzig, Wittenberg und Prag , zu deren Errichtung er, neben Horncken, mit Augustin Pantzsch-mcmn in Leipzig in ein Gesellschafts.verhältnis getreten war." Amintimsten aber war er mit seinem engern Landsmann Eucharius Hirtzhorn(Oki-vioorllus) verbunden, mit welchem gemeinschaftlich er auch in einenvon den baseler Buchhändlern Froben und Episcopins angestrengten Nach-druckprozeß verwickelt wurde. Es' ergibt sich aber aus den einzelnen Datendieses Prozesses kaum ein greifbares Resultat für die Geschichte des Buch-handels, da es an einer maßgebenden Entscheidung über seinen Inhaltmangelt. Nebenher gewinnt man aber aus der Darstellung der Einzel-heiten manchen Aufschluß über den damals schon gesteigerten Verkehr,den die Buchhändler auf der Messe unter sich zu Pflegen begannen. „Im