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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.) Köln : Die Familie Mylius. Johann Heyl, Eucharius Hirtzhorn. 105

zwischen habe ein gewitzigter Knecht das durch die Herren versiegelteFaß umgekehrt, die Bücher herausgenommen und mit andern damalszulässigen angefüllt, worauf man Müller als unschuldig erkannt und frei-gelassen habe. Er sei nun nach Köln gegangen und habe seinen Namenin Mylius verändert. Hier entfaltete er nach Übernahme des Birck-mannschen Geschäfts eine außerordentliche Thätigkeit, wobei er auch diealten Verbindungen aufrecht erhielt, die namentlich mit dem großenVerleger Christoph Plantin von Bedeutung wurden. Mylius starbim Jahre 1604 oder 1605 als wohlhabender und angesehener Mann,aus dessen Geschäft in den 20 Jahren seiner Thätigkeit über 200 Vcr-lagswerke hervorgegangen, waren. Seine Verdienste um das Wohl derStadt hatten ihm die Ernennung zum Rathsherrn eingetragen. Ihmfolgte sein Sohn Hermann im Geschäft; er zeichnete sich, wie sein Vater,durch lebhafte Beteiligung an den städtischen Angelegenheiten aus undsoll nach Büllingen 1667 gestorben sein. Letzterer führt auch noch einenEnkel und einen angeblich 1699 verschiedenen Urenkel Hermann an undschließt mit Arnold Joseph, mit dessen Tode 1731 die letzte Spur desblühenden Geschäfts erlosch, das im ganzen über 200 Jahre bestanden hatte.

Von kürzerer Dauer, aber von großer Bedeutung für die Geschichtedes kölner Buchdrucks uud Buchhandels ist die Verlagsthätigkcit vonJohann Heyl oder Soter, aus Bensheim an der Bergstraße . Er arbeitetevon 1518 bis 1562 mit seinen beiden Söhnen Melchior' und Jakob underrichtete, um sich der kirchlichen Censur möglichst zu entziehen, Filialenin Solingen und Dortmund . Wegen seiner gründlichen Kenntnis derlateinischen und orientalischen Sprachen sehr geschätzt, druckte er viel fürgroße Firmen und besorgte mit seinem Verwandten Johann Pöllen ausSchwerte in Westfalen auch 1522 die Herausgabe eines in hebräischer,äthiopischer, chaldäischer und lateinischer Sprache gedruckten Psalteriums.Die Söhue setzten nach dem Tode des Vaters das Geschäft fort, bisdieses 1577 durch Erbschaft in andere Hände überging.

Eucharius Hirtzhorn oder Cervicornus begann 1516 und hörte 1543auf. Er war ein wissenschaftlich gebildeter Mann, veröffentlichte latei-nische und griechische Klassiker, die sich durch Schönheit der Typen,Sauberkeit des Drucks, Stärke des Papiers und besonders geschmack-volle Ausstattung der Titel auszeichneten. Zugleich war er in Köln alsHumanist und Grammatiker wegen seiner religiösen Grundsätze der-