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^Zweites
so wenig Rühmliches läßt sich über seinen Charakter sagen. Unzuver»lässigkeit und Geldgier werden von seinen Zeitgenössen und darunter selbstvon ihm günstig gesinnten Männern, wie Erasmus, als seine hervor-ragendsten häßlichen Eigenschaften getadelt, sodaß sogar seine Ehrenhaftig-keit nicht unangefochten dasteht.
Nach Franz Birckmann übernahm das,Geschäft dessen Bruder ArnoldBirckmann , den Kirchhofs irrtümlich für den Sohn des erstern hält.Vom Jahre 1532 bis 1540 existieren einige teils in Köln, teils in Ant-werpen gedruckte Verlagswerke mit Arnolds Firma, dessen Thätigkeitindessen weder bedeutend noch von langer Dauer gewesen zu sein scheint.Nach Büllingen starb er 1542 und wurde zu St. Paul begraben. ImJahre 1548 uud 1549 kommt alsdann die Firma seiner Witwe vor;doch schon Anfang der fünfziger Jahre ändert sich dieselbe von neuemin „Arnold Birckmanns Erben". Unter Leitung der nun herangewachsenenSöhne entwickelte das Geschäft jetzt wieder eine große, weit ausgreifendeThätigkeit; die Firma erschien z. B. auf der frankfurter Messe mit einerMehrzahl von Gehülfen, wahrscheinlich Reisedienern, im Jahre 1565 mitacht derselben. Namentlich scheinen auch die geschäftlichen Beziehungenzu der Frobenschen Familie, förmlich traditionell, sehr enge gewesen zuseiu. Unter der genannten Firma wurde das Geschäft bis zum Jahre1585 fortgesetzt. Der „Locisx nunZinaring" führt aus diesem Zeitraum116 Werke auf, doch ist es wahrscheinlich, daß außer diesen noch manchesBuch ohne Angabe des Verlags erschienen sein mag. Der eigentlicheLeiter des Geschäfts war Johann Birckmann , während der BruderTheodor sich dem ärztlichen Stande gewidmet hatte und nur den stillenTeilhaber abgab. Mit dem Jahre 1585 erlosch die alte Firma für denBuchhandel, indem Arnold Mylius , der Barbara, die Tochter JohannBirckmanns, heiratete, für die Buchhandlung seinen eigenen Namen ge-brauchte, während für die Druckerei noch die alte Birckmannsche Firmabestehen blieb.
Arnold Mylius (eigentlich Müller) war geboren zu Meurs am16. Oktober 1540 als Sohn einer angesehenen Familie. Büllingen er-zählt von ihm, er habe vor seiner Thätigkeit in Köln zu Antorff (Ant-werpen ) gewohnt und daselbst den Buchhandel betrieben. Einstmals habedie Inquisition in seinem Hause ein Faß verbotener Bücher entdeckt,worauf Müller gefänglich eingezogen und gefoltert worden sei. In-