Kapitel.)
Basel: Michael Wenszler. Bernhard Richel.
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ihrer Abreise vor dem Rat von Basel auf ihren Bürgereid, daß diemit ihrer Geschäftsmarke F versehenen Fässer und deren Inhalt ihralleiniges Eigentum seien und niemand sonst Anteil daran habe. DerRat stellte ihnen einen offenen Geleitsbrief aus und empfahl seine Bürgerund ihre Habe jedermann aufs freundlichste zur besten Förderung. SolcheUmständlichkeiten bedingten die unruhigen, fast rechtlosen Zustände derZeit! Wcnszler hatte persönlich unter ihnen zu leiden; im Jahre 1490wurde er auf einer Geschäftsreise zu Rosheim im Elsaß durch einigeSt. Gallener angehalten und stark geschädigt. Basel verlangte im Namenseines Mitbürgers Schadenersatz und sandte sogar seinen StaatsschreiberNikolaus Rüsch persönlich nach St. Gallen, um Wenszlers Forderungzu betreiben." Der letzte baseler Druck Wenszlers ist vom Jahre 1491datiert. Um jene Zeit kam er in allerlei finanzielle Ungelegenheitcn, dieihn schließlich nötigten, Gerät und Haus zu verkaufen und Basel zuverlassen. Er begab sich zunächst nach Clugny in Frankreich , wo derAbt Jakob von Ambois ihm den Druck eines 1493 beendeten ,Mis8a1oLluinsoensö" übertrug, wanderte aber dann nach Macon und beschloßseine thätige, aber dornenvolle Laufbahn endlich zu Lyon.
Der vierte baseler Drucker ist der schon erwähnte Bernhard Richel,welcher mit Michael Wenszler 1475 assortiert war. Nach FechtersUntersuchungen aus Ehewiler, einem Dorf in der Rheinpfalz, nach an-dern aus Würtemberg stammend, erwarb er 1474 das Bürgerrecht. Ausdiesem Jahre stammen auch seine ersten datierten Drucke; wahrscheinlichaber hat er schon früher zu arbeiten begonnen. Bis zum Jahre 1478vollendete er vier lateinische Bibeln, wovon die erste ohne Firma undDatierung erschienen und in ihrem ersten Teile mit Charakteren BertholdRuppels gedruckt ist, während der zweite Teil seine eigenen Typen auf-weist, ein Kuriosum, welches in seinen Ursachen zwar nicht aufgeklärt,aber ein Beweis dafür ist, daß auch die genannten beiden Typographenin Verbindung miteinander gestanden haben müssen. Richel ist außer-dem besonders deswegen hervorzuheben, weil er der erste baseler Druckerwar, welcher Druckwerke in deutscher Sprache brachte. Von ihnen istvor allen die erste Ausgabe des „Sachsenspiegels" von 1474 zu er-wähnen, zugleich das erste Buch, welches in Basel mit Angabe desJahres und des Druckers erschien. Sie umfaßt 255 Blätter, zwei-spaltig zu je 46 Zeilen, und ist von solcher Seltenheit, daß sie selbst in