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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Augsburg: Erhard Ratdolt .

^Zweites

den Künstler um so vollkommener erstehen zu lassen. Die zweite Aus-gabe gab Schönsperger daun bereits 1519 zu Augsburg heraus. SeinSohn, Hans Schönsperger der Jüngere, widmete sich später fast aus-schließlich dem Verlagsbuchhaudel und ließ meistenteils bei Johann Oth-mar in Augsburg drucken.

Ebenso bedeutend wie Schönsperger-, aber ihn an Geist und Reichtumder Phantasie noch überragend, war Augsburgs berühmtester Drucker,Erhard Natdolt. Er entstammte einer Künstlerfamilie, welche sich durchAnfertigung plastischer Figuren aus Gips auszeichnete, und soll ursprüng-lich Kistler (Armbrustschnitzer) gewesen sein. Ratdolt ging 1475, wahr-scheinlich in der Absicht sich künstlerisch auszubilden, nach Italien . Da erin der Heimat auch die Kunst des Bücherdrucks kennen gelernt hatte, sowandte er sich ihr in Venedig ausschließlich zu und verband sich dort an-fangs mit dem augsburger Maler Bernhard und mit Peter Loslein vonLangenzenn . Er lieferte hier von 1476 an eine Menge von Prachtwerken,wie man sie bis dahin weder in Italien noch in Deutschland gesehen hatte.Seine schon im Renaissancegeschmack ausgeführten Initialen und Titel-blätter waren sowohl durch ihre Verzierungen als ihre Anordnung Kunst-werke ersten Ranges. Selbst unter den ersten Künstlern der stolzen La-gunenstadt nahm Ratdolt eine hervorragende Stellung ein und sein un-erhörter Erfolg spricht zugleich für seine außerordentliche Bedeutung. DieBischöfe Augsburgs drängten ihn lange vergebens zur Rückkehr in dieHeimat. Endlich gab er 1486 den wiederholten Aufforderungen desGrafen Friedrich von Hohenzollern nach nnd zog wieder in die Vater-stadt, wo er noch 30 Jahre mit gleichem Ruhme wie in der Fremdearbeitete. Als Drucker der schwierigsten mathematischen Werke erwarber sich den Namen eines Beschützers und Vaters der Mathematiker.In der berühmten Ausgabe des Euclid von 1482 druckte er die Zu-eignung an den Dogen Mocenigo von Venedig sogar in Gold. Ebensowidmete sich Ratdolt auch dem Drnck musikalischer Werke, wie er dennauch der Erfinder des Notendrucks mit beweglichen Typen ist. In Augs-burg wurde er durch den Druck seiner unvergleichlich schönen Chorbücherso berühmt, daß ihm von weit und breit Aufträge aus Stiftern undKlöstern zur Herstellung von Kirchenbüchern zuteil wurden, die er inbrillantem Rot- und Schwarzdruck die 40 Jahre seiner Thätigkeithindurch gleich ausgezeichnet ausführte. Er starb um 1528, in welchem