Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144

Die Bruder vom gemeinsamen Leben. Leipzig .

^Zweites

druckn- der ältesten Zeit der Pflanzstätte des Klosters am Weidenbachentsprossen sein: Ulrich Zell, Nikolaus Jenson, Colard Mansion , WilliamCarton, Mentel, die Zainer n. a. eine Auffassung, die, wenn auchnicht unbedingt anerkannt, so doch beachtet und erwogen wird. Aber siesteht auf keiner urkundlichen Grundlage und ist ein Ritt ins Blauehinein, auf welchem Madden niemand ernstlich zu folgen wagen kann.

Wenn indessen auch dieBrüder vom gemeinsamen Leben " an ver-schiedenen ihrer Sitze, Marienthal (1468), Brüssel, Rostock (1476), Nürn-berg (1479), selbständige Druckereien errichteten, so entwickelten sie inihnen doch keine so bedeutende und folgenreiche Thätigkeit, daß man ihreine besondere Wichtigkeit für die Entwickelung der Buchdruckerkunst unddes Buchhandels einräumen dürfte. Ein so interessantes Moment in derKulturgeschichte die Aufnahme darstellt, welche die Brüder der Buch-druckerkunst angedeihen ließen, so kann bei der Gesamtthätigkeit des Ordensauf diesem Gebiete, die sich auf etwa 60 Druckwerke beschränkt, einenähere Würdigung ihrer Verdienste füglich unterbleiben.

10. Leipzig

hat, wie man neuerdings annimmt, schon 1479 die erste Druckerei ge-habt; indessen ruht der Beweis für diese Annahme auf nicht ganz sichererGrundlage. In einem Zettel der leipziger Stadtkassenrechnuugen von1480 wird nämlich unter den im Dezember 1479 säumigen Steuer-zahlern ein Buchdrucker Laugnickel angeführt. Wenn nun so folgertman weiter dieser Mann auch nicht im Besitze einer Presse gewesensein kann, so muß er doch in einer leipziger Druckerei in Arbeit ge-standen haben. Das ist allerdings möglich, ja sogar wahrscheinlich, abernicht erwiesen, und namentlich wird um jene Zeit und selbst einige Jahrespäter nirgendwo einer leipziger Druckerei gedacht. Nun kehrte aller-dings im genannten Jahre Andreas Frisner, wie unter Nürnberg schonerwähnt, zurück, um hier an der Universität zu wirken. Er ging dann1491 nach Rom, wo ihn Papst Alexander VI. zum 1^'img.rws Leciisaxoswlioae oräinarius ernannte. In seinem 1504 errichteten Testa-ment vermachte er unter andermseine Presse nebst 20 rheinischen Gul-den" dem Dominikanerkloster zu Leipzig . Dies ist der Grund, warumman Frisner für den ersten Drucker Leipzigs hielt; er ist jedoch nichtstichhaltig, weil hier eine gewerbsmäßige Druckerthätigkeit seinerseits nicht