Kapitel.)
153
in kirchlichen Dingen innerlich noch zwiespaltige Rat der Stadt Leipzig es zu, daß der Druck, wenn auch yeimlich, fortgesetzt wurde. Als dieGefahr wuchs, wurden die Exemplare schleunigst nach Berlin ge-schafft. Wolrabc wurde gefangen gesetzt, aber bald infolge der Pro-tektion der Herzogin Katharina und des herzoglichen Rats Anton vonSchönberg der Haft wieder entlassen, gegen Bürgschaft, daß er nichtsohne vorherige Censur drucken lassen wolle. Es wurde ihm sogar aufVeranlassung derselben allmächtigen Beschützer der Druck und Verlagder neuen Kirchenordnung, der Apologie, des Psalters und einer Bibel-ausgabe übertragen, welche Werke alle Pfarrer und Kirchenärare an-zuschaffen und nur direkt von Wolrabe zu beziehen hatten. Die witten-berger Verleger der Bibel, Bartcl Vogel, Moritz Goltz und ChristophSchramm, konnten nicht hindern, daß dieser Nachdruck ins Werk gesetztwurde. Denn wenn auch der Verkauf auf ein Jahr inhibiert wurde,erging doch insgeheim ein Befehl an die Pfarrer u. s. w., bis nach Ab-lauf dieser Frist mit dem Ankauf der Bibel zu warten.
Trotz dieser anscheinend günstigen Umstände kam Wolrabe aus denSchulden nicht heraus. Sein schlimmster Gläubiger, Sebastian Reusch,drängte und Wolrabe wurde nur dadurch gerettet, daß ihn der Rat aufeinen Befehl von Dresden aus durch ein Darlehn von 800 Guldenunterstützen mußte.
Außerdem stand Wolrabe mit zwei andern Kapitalistengruppen inVerbindung; die eine wurde gebildet durch Andreas Wollensäcker undandere, die zweite durch Werten Richter und Gregor Forster. DieGesellschaft Wollensäcker hatte 1541 schon die bedeutende Summe von8000 Gulden (etwa 160000 Mark) von Wolrabe zu fordern; diesermußte nun seine ganze Habe verpfänden und die für die schuldigeSumme gedruckten Werke der Gesellschaft als Eigentum überweisen,welche ihm einen Faktor (Sequester) ins Haus setzte. Was Wolrabenoch verblieben war, zog 1542 die andere Gruppe, Richter und Forster,an sich; auch sie bestellte ihm in seinem eigenen Diener Hans Mauser einenzweiten Sequester. Die Gruppe Wollensäcker verkaufte im Januar 1544deu Buchhandel an Hans Löffler in Wittenberg , Ambrosius Kirchner inMagdeburg und Peter Schürer für 4787 Gulden. Trotz dieser miß-lichen Umstände gelang es Wolrabe, ein neues Opfer zu finden. Eswar der reiche Kürschner Damian Lunckewitz, der gar nichts vom Buch-