Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

154 Leipzig : Wolrabc und seine Gcschäftsnachfolger. ^Zweites

Handel verstand. Auch Reusch scheint wieder dahinter gesteckt zu haben:er verkauft an Mauser eine Partie Bücher für 1845 Gulden, welchletzterer nun ein neues Sortimentsgeschäft errichtete. Dann verkaufenWolrabe und Reusch weitere Partien an die Buchführcr Andreas Heilund Konrad König, ohne alles liefern zu können. So schlecht war derRuf Wolrabc's und Rcuschs, daß sogar der Rat sich veranlaßt faiu?, Heilund König vor dem Geschäft zu warnen, allerdings ohne Erfolg. Luncke-witz, der natürlich zu nichts kommen konnte, veräußerte seinen Buchhandelwieder an Wolrabc's Diener Wolf Günther. Endlich konnte sich Wolrabenicht mehr in Leipzig halten. Er ging nach Frankfurt a. O., wo er es an-fangs sogar zu Ansehen gebracht zu haben scheint; die Herrlichkeit hatteaber bald ein Ende. Er erscheint von neuem in Leipzig , beginnt hierwieder zu drucken, ohne jedoch seine Unternehmungen zum Abschluß bringenzu können. Er mußte seine Habe an Reusch abtreten, der alles weiter ver-kaufte. Im Jahre 1552 ging es mit Wolrabe zu Ende. Er.ist verschollen;seine Frau erhielt Almosen von der Stadt. Die Ausführlichkeit dieserSchilderung rechtfertigt sich damit, daß sich selten Gelegenheit bietet, einenBlick in das innere geschäftliche Getriebe jener Zeit zu thun. Nicht dieäußerlich wahrnehmbaren Produkte der Verlagsthätigkeit für sich alleingeben ein treues Bild des gedeihlichen oder krankenden Geschäftsganges.Es ist nicht eben alles Gold, was glänzt!

Auch auf den durch Wolrabe und Reusch neugeschaffenen Geschäftenruhte kein Segen. Peter Schürer starb 1548 verschuldet. Das Geschäftübernahm Wolf Günther, der Schürcrs Witwe geheiratet hatte, ohneMittel. Hans Mauser geriet gleichfalls in üble Umstände; sein Geschäftging an Lorcnz Finckelthaus über, der in seiner spätern, bedeutendenVerlagsthätigkeit in Beziehungen zu dem gleich zu erwähnenden ErnstVögelin kam. Der Buchdrucker Jakob Bärwald ferner, der Wolrabc'sHaus uud wohl auch ciucn Teil seiner Druckerei übernommen hatte,entging ebenfalls nicht argen Verlegenheiten und zu Wolf GünthersGeschäft wurde nach dessen Tode (1557) der Konkurs eröffnet. Bald dar-auf brach.Gregor Jordans Sortimentsgeschäft zusammen. Die einzigen,die vorwärts kamen, warenHeil und König; sie hatten es dem Umständezu verdanken, daß sie neben dem Sortiment gleichzeitig das Verlags-geschäft kultivierten und so in der Lage waren, gewinnreicher zu operieren.

In erfreulichem Gegensatz zu Wolrabe steht Valentin Bapst. Schon