Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

Kapitel.)

Magdeburg: Die ersten Drucker. Moritz Brandis .

165

und die Jesuitenlitteratur übermächtiger; sie kommen daher persönlich garnicht in Betracht. Die Arbeiten der wiener Drucker sind fortan nurnoch auf das enge Absatzgebiet des wiener Marktes berechnet. Wien zählt deshalb auch in der Geschichte der Entwickelung des deutschenGeistes in jenen Zeiten nicht mit. So hart das Wort auch klingenmag: Wien bedeutet in der frühesten Geschichte der Buchdruckerkunst unddes Buchhandels weniger, als die kleine Reichsstadt Hagenau im Elsaß !In der chronologischen Folge der Druckstädte schließt sich nun

12. Magdeburg "

an, wo der Buchdruck durch den Einfluß des Erzbischofs Ernst (aus demHause Sachsen) eingeführt wurde. Die erste Anlage einer Druckereiwird denBrüdern vom gemeinsamen Leben" zugeschrieben; die erstenwirklich nachweisbaren Drucker aber sind Albert Radenstein und JoachimWestfal, 1483 und 1484. Über den ersten ist Näheres nicht bekannt;Westfal stammte aus Stendal , wohin er sich auch 1486 oder 1487wieder wandte und wo er unter anderm einen niederdeutschen und latei-nischenSachsenspiegel" in Folio druckte. Das Hauptwerk der genanntenDrucker ist das mit zwei ziemlich mittelmäßigen Holzschnitten verseheneniederdeutsche Evaugelicnbuch von 1484 in Folio, zugleich die erste nieder-deutsche Ausgabe dieses Werks. Der nächste Drucker war Simon Kochaus Weilburg , 1486, und wahrscheinlich noch 1488. Sein erwähnens-wertester Druck ist ein Missale von 1486 in Folio. Ihm folgte SimonMentzer, 1490 bis 1503, der nur belehrende, unterhaltende und erbau-liche Volksschriften gedruckt zu haben scheint; alle von ihm bekanntenDrucke sind mit Holzschnitten ausgestattet. Der bedeutendste Magdeburger Drucker war jedoch Moritz Rrandis, 1491 bis 1504. Früher in Leipzig thätig, wo seiner bereits gedacht wurde, hatte er schon von hier aus mitdem Erzbischof Ernst und mit Magdeburg überhaupt in Geschäfts-verbindung gestanden. Bon seinem geschäftlichen Schiffbruch in Leipzig scheint er sich in Magdeburg vollkommen erholt zu haben, denn er besaßhier eine reiche Auswahl von Schriften und Initialen. Nur nieder-deutsche und lateinische Drucke sind von ihm bekannt, sieben davon mitHolzschnitten ausgestattet. Sein Hauptwerk ist die erste Ausgabe desMissale" vou 1493 in Folio. Hervorzuheben ist serner derVoeg.1zu-larius oxtillms (^siumulg. vveabuloruui cliet.u8", ein lateinisch-nieder-