Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

^Drittes Kapitel.) Subiaco: Schweinheim und Pannartz .

181

Ein berühmter Benediktiner, der Kardinal Johann Torquemada (Tur -recremata), veranlaßte die Berufung der ersten deutschen Drucker nachItalien . Er war in seinen jüngern Jahren Kommendatarabt des etwa14 Stunden östlich von Rom gelegenen Benediktinerklosters Subiaco ge-wesen. Unter den dortigen Mönchen befand sich um 1462 eine AnzahlDeutscher , welche durch ihre Erzählungen von der neuerfundenen Kunstin Turrecremata nicht allein eine große Begeisterung für den Bücher-druck erweckten, sondern auch den Wunsch in ihm rege machten, deutsche Setzer und Drucker nach Italien zu ziehen. Bon ihm ermuntert, ludendenn auch die deutschen Mönche zwei ihrer Landsleute ein, nach Subiaco zu kommen und im dortigen Kloster eine Druckerei zu errichten. Eswaren dies Konrad Sweynheim (Schweinheim aus Schwanheim , einemam Main zwischen Mainz und Frankfurt gelegenen Dorfe) und ArnoldPannartz aus Prag , sehr geschickte, fleißige und für ihre Kunst begeisterteSchüler Gutenbergs. Schon 1463 oder 1464 müssen sie über die Alpen gezogen und in Subiaco zu Anfang 1464 angekommen sein, da ihr ersterDruck, der Donat, von welchem indessen kein Exemplar auf unsereZeiten gekommen ist, bereits gegen Ende 1464 erschien, während ihrLactantius, ein Folioband von 368 Seiten, nur wenig später, am29. Oktober 1465, ausgegeben wurde. Nach Fumagalli's' gründlichenForschungen ist es sogar gewiß, daß zu Anfang des Jahres 1465 zwi-schen diese beiden Bücher noch ein Cicerovs Orawrs" von 216 Seitenfällt. Daß Schweinheim und Pannartz ihre Typen nicht fertig gegossenmitgebracht haben, beweisen ihre Drucke, denn während in Deutschland zu-nächst nur gotische Typen gebraucht wurden, bedienen sie sich zuerst latei-nischer Typen, der "lntiqunschrift. Die Anfertigung der Matrizen, derGuß der Schriften, die Herstellung der Presse, kurz die vollständige Ein-richtung der Druckerei muß unter diesen Umständen gewiß eine Zeit vonanderthalb bis zwei Jahren in Anspruch genommen haben. Dem Eiferdieser Männer und ihren staunenswerten Leistungen entsprach jedoch nichtdie Aufnahme, welche ihre Drucke in den litterarischen Kreisen Italiens fanden. DK Bücherliebhaberei war damals noch nicht so entwickelt, daßdie Käufer, selbst wenn sie von der neuen Kunst gehört gehabt hätten, diebeschwerliche Reise ins Gebirge gemacht haben würden. Sodann wardie Verbindung des Klosters mit der Außenwelt zu spärlich, als daß sichvon dort aus ein regelmäßiges Geschäft hätte aufbauen lassen. Die Be-