208 Die Complutensische Polyglotte, Columbus als Buchhändler. ^Drittes
als bedeutendster Vertreter der Kunst Jakob Cromberger folgt"; Fried-rich Bicl aus Basel , von den Spaniern Maestro Fadrique Aleman ge-nannt (1485) in Burgos ; Maestro Lope de la Roca (Aleman) — Wolfvom Stein? — (1487) in Murcia; Meinhard Ungut und Johann vonNürnberg (1496) in Granada , zu denen Jakob Groß (Magnus) ausStraßburg, Johann aus Spehcr und Jodocus aus Gerlichshofen kommen,— endlich (1498) Johann Nosenbach aus Heidelberg in Tarragona.
Trotz dieses zahlreichen Einströmcns deutscher Künstler war dieDruckcrthätigkeit in Spanien nie bedeutend. Die geistliche Censur lastetezu schwer; kaum irgendwo in der ganzen Welt ist es derselben so gutgelungen, Schriften, die in großen Auflagen gedruckt waren, ganz oderbis auf wenige Exemplare zu vernichten. Wissenschaft und Gelehrsam-keit wurden nur so weit in Ehren gehalten, als sie der Kirche dientenoder ihr wenigstens nicht feindlich gcgenübertratcn. So kam es dennauch, daß spanische Gelehrte später häufig in Paris oder bei Plantinund dessen Nachfolgern in Antwerpen drucken ließen. Die inländischenDruckereien beschränkten sich meist auf Andackts- und Gebetbücher, Jn-dulgenzbriefe uud amtliche Veröffentlichungen.
Eine Ausnahme, und zwar eine glänzende, bildet allerdings die so-genannte „Complutensische Polyglotte", welche von 1514 bis 1517 inAlcala de Henares (Lomplutum) herausgegeben wurde. ^ Der KardinalFranz Ximeues de Cisneros, Minister Ferdinands des Katholischen, ließsie neben einer Anzahl von Klassikern zum Gebrauch für die Studieren-den auf der dort 1499 von ihm begründeten Universität von Wilhelmde Brocar in sechs Foliobänden drucken. Sie stellt eins der pracht-vollsten Erzeugnisse damaliger Zeit dar und verursachte einen Kosten-aufwand von etwa 50 (XX) Goldkronen. Zu ihrer Vollendung waren15 Jahre erforderlich. Anfangs beanstandete Papst Leo X. die all-gemeine Verbreitung und gestattete sie erst am 22. März 1520; dieÜbergabe des Werks in den Verkehr selbst erfolgte jedoch erst im Jahre1522.
Ein größeres Interesse aber als diese kostbare Bibelausgabe bietetdie Thatsache, daß kein Geringerer als Christoph Columbus eine Zeitlang dem spanischen Buchhandel angehört hat. In seinem Leben liegtdie Zeit von 14^4 bis 1486 ziemlich im Dunkeln. Wie Herrera an-gibt, wandte er sich im erstgenannten Jahre von Portugal nach Spanien ,