224 Volumen. Codex. Holz-, Elfenbein- und Wachstafeln. ^Viertes
im lateranensischen Museum zu Rom hat eine Kapsel mit Rollen nebensich stehen, gewissermaßen eine Handbibliothek. Die mit einem Deckelversehene Kapsel hieß scrinium, woraus unser Schrein geworden ist.Die Ägypter bewahrten Schriftrollen in Krugen auf. Und die Rollen-form des Buchs, volumsn, kam keineswegs außer Gebrauch, als dieErfindung des Pergaments eine andere, bequemere, ermöglichte; vielmehrhatten die Römer ausnahmsweise auch Pergamentrollen, wie andererseitsPapyrus auch in einzelnen Blättern zu einem Buche im jetzigen Sinne,ocxZex, zusammengeheftet wurde. Nur die größere Wohlfeilheit desStoffs konnte hierzu veranlassen, da demselben ein Hauptvorzug desPergaments, auf beiden Seiten beschreibbar zu sein, mangelte und eraußerdem mit der Zeit bricht und zerbröckelt. Deshalb sind Paphrus-büchcr wenig erhalten, aber daß man sich des Stoffs noch in spätererZeit, wenn auch wohl nur ausnahmsweise, bediente, wird z. B. durchden abwechselnd auf Papyrus und Pergament geschriebenen „Loäsx^ugustiitu8" aus dem 6. Jahrhundert in Paris , ja selbst noch fiirdas 10. Jahrhundert durch das Breviarium eines Patriarchen vonRavenna in München bewiesen.
Erfunden zu werden brauchte übrigens die Codexform nicht erst. Siewar vorhanden in den Äolz- oder Mfenbeintafeln, welche auf einerSeite mit Wachs überzogen waren und deren mehrere miteinander ver-bunden werden konnten; ja eigentlich schon in den römischen Militär-diplomen aus Erztafeln, welche auf der Innenseite den authentischen Texttrugen. (Über den Verbleib des von Montfaucon in „I/^ntic^uits ex-xlilzuss" erwähnten Buchs aus Bleiblättern ist leider nichts bekannt.)Allein der Gebrauch der Erztafeln war naturgemäß ein beschränkter, unddie Wachstafeln dienten nur als Notizbücher, zum Concipieren von Schrift-stücken, zu Schreibübungen. Das eigens präparierte Wachs behielt einegewisse Geschmeidigkeit, sodaß die mit dem Metall- oder Elfenbeingriffeleingegrabcnen Schriftzüge mit dessen plattem oder abgerundetem obernEnde wieder verwischt, die Oberfläche wieder geglättet werden konnte;und eben deswegen waren diese Tafeln nicht für Schriften geeignet,welche Dauer haben sollten. Als Notiz- und Schultafeln und zur Füh-rung von Rechnungen haben sie sich übrigens bis in das 15. Jahrhun-dert unserer Zeitrechnung, in Salzwcrken als sogenannte Lchntafelnnoch länger erhalten. ^ In diesem Zusammenhang mögen auch die aus