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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
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^Viertes Kapitels

Papyrus und Papynisrollen.

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jeher Tierhäute gedient zu haben (deren einzelne Stücke vermittelst dünnerLcderricmcn gewissermaßen zusammengenäht wurden), den Ägyptern Papy-rus: also die beiden Arten des Schreibstoffs, welche die Vorläufer desPergaments und des Papiers geworden sind. Über die anfängliche Weiseder Bearbeitung des Leders zu diesem Zweck fehlen die Nachrichten; alleinsie muß, abgesehen von der Kostbarkeit des Materials, auch ein unvoll-kommeneres Produkt geliefert haben, da erst die Not, einen Ersatz fürden ägyptischen Papyrus zu schaffen, im 2. Jahrhundert v. Chr. zubesserer Zurichtung der Häute führte. Dagegen ist die Natur des Papy-rus, über welche durch Plinius mancherlei irrige Vorstellungen verbreitetworden waren, gegenwärtig genau bekannt. Nicht aus dem Bast derPapyrusstaude, sondern aus deren Mark wurden Streifen geschnitten,und diese nicht, wie noch Marquard ^ annahm, wie Flcchtwerk, oder wieKette und Schuß ciues Gewebes, miteinander verflochten, sondern in zwei,selten drei, sich kreuzenden Lagen übereinander gebreitet, die man durchBefeuchten mit Nilwasser, vielleicht auch mit einer klebenden Flüssigkeit,durch Pressen, Schleifen mit Bimsstein u. s. w. zu einer festen, ebenenMasse vereinigte. Ein so gewonnenes Blatt, mit einer Urkunde odereinem Briefe beschrieben, wurde mehrmals zusammengefaltet, sodaß eseinen schmalen Streifen bildete, und dann zu einem Knoten verschlungen, ähnlich, wie man vor der fabrikmäßigen Herstellung von Brief-umschlägen wohl Briefe zusammenlegte, welche nicht durch die Post be-fördert werden sollten. Für größere Schriftstücke aber wurden mehrereBlätter aneinander geklebt, welche in Kolumnen oder in langen Zeilenbeschrieben und, behufs der Aufbewahrung, aufgerollt werden konnten.Auf der ersten oder der letzten Kolumne findet sich angegeben, wie vielKolumnen oder wie viel Zeilen die Rolle enthält, oder die Kolumnensind paginiert. Znm Schutz gegen Insekten und, Wurmfraß bestrick) manden Papyruö mit Cedernvl. Der Rand des letzten Blattes wurde aneinen dünnen Holzstab, urabilieus, geklebt, mn welchen der Papyrusaufgewickelt wurde, um endlich in eine Schutzhülle von Papyrus oderPergament gethan zn werden, aus welcher nur ein Zettel mit dem Titeldes Buchs hervorragte. ^

Zahlreiche antike Bildwerke, zumal im Museo nazionale zu Neapel ,zeigen dergleichen Rollen, geschlossen in der Hand von Rednern, oder,von links nach rechts aufgewickelt, iu den Händen Lesender; der Sophokles