228 Baumwollen- und Linnenpapier. Die Papierindustrie. sBiertes
Benerabilis von Clunh zwischen 1122 und 1150 neben verschiedenenPapierarten auch solches aus alten Fetzen erwähnt, so sind doch der-gleichen Materialien gewiß schon viel früher in denjenigen Ländern ver-arbeitet worden, welche die rohe Baumwolle aus weiter Ferne einführenmußten." Ja, es scheint keineswegs alles, was bisher dem äußern An-sehen nach für Baumwollenpapier gehalten worden ist, wirklich solches zusein. Und wie Pergament und Baumwollenpapier nebeneinander noch im13. Jahrhundert im Gebrauch blieben, so ist ohne Zweifel auch die einePapierart nicht plötzlich von der andern verdrängt worden. ArabischesBaumwollenpapier ist ja in dem Funde von El-Fayüm" noch aus dem10. Jahrhundert zum Vorschein gekommen. Die ältesten Linnenpapieresind bisher aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts nachgewiesen worden:eine Rechnung von 1301 in Lyon, Untersuchuugsakten gegen den Templer-orden (1309) im pariser Archiv, eine von Breitkopf erwähnte Urkundedes Bischofs von Cammin von 1315.^
Baumwollen- und Linnenpapier lassen sich zwar in der Regel un-schwer unterscheiden, da das erstere dick, locker, faserig, brüchig, von gelb-licher Farbe und undurchsichtig zu sein Pflegt, das letztere aber festerund glatter, durchscheinend, von ins Graue spielender Farbe und — ausfrüher Zeit — mit zahlreichen dünnern Stellen (Wasserflecken) und fürdas Auge und das Gefühl sehr wahrnehmbaren Eindrücken der Form-drähte und später des Kautschsilzes; ist ein Wasserzeichen vorhanden, soerscheint dies im Baumwollenpapier nur in unbestimmten Umrissen.Doch ist zur ganz sichern Bestimmung alter Papiere mikroskopische undchemische Prüfung erforderlich. Im 15. Jahrhundert vervollkommnetsich das Linnenpapier in jeder Beziehung, es wird körperhafter, gleich-mäßiger und glatter.
Unsicher ist auch noch unsere Kenntnis von dem Beginn der Papier-industrie in den verschiedenen Ländern. Wohl sind nach und nach vieleNotizen über die Anlage oder das Bestehen von Papiermühlen gesam-melt worden; da aber deutsche Städte, in denen oder in deren Näheim 14. Jahrhundert solche Mühleu bestanden, ihren Papierbedars nochbis in das 15. aus Italien oder Frankreich verschrieben, so bleibt zweifel-haft, ob die heimischen Fabriken damals überhaupt schon zum Schreibengeeignetes Papier herzustellen vermochten. Die Stadt Görlitz , derenältestes Stadtbuch von 1305 noch auf Pergament, das älteste Achts-