Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

232

Hauvtiypcn der ältern Wasserzeichen.

sViertes

und 16. Jahrhunderts genau überein mit dem Wappen der von 1260bis 1387 in Verona herrschenden Scaliger, an deren Grabmal es alsGittermotiv vielfach verwendet worden ist. Daß jedoch diese Marke nichteiner einzigen Fabrik angehört hat, zeigen die verschiedenen Einrahmungenderselben in Ring- oder Schildform, die Hinzufügung eines Sterns u. s. w.,besonders aber die im Papier einer Zeichnung Michel Angelo's aus der Zeitvon 1541 bis 1563 (in Oxford) befindliche veränderte Form einer langenLeiter von gleichbleibender Breite. 22 Ein Helm mit gehörnter oder ge-flügelter Büste in dem Papier eines paduaner Dokuments deutet aufFrancesco Carrara, den Capitano generale von Padua von 1355 bis1388. Ein Brief Michel Angelo's vom 26. Oktober 1520 (im BritishMuseum ) zeigt in einer Kreislinie das Kichbä'umchen des Hauses Rovere,welchem die Päpste Sixtus IV. und Julius ll. entsprossen waren; einanderer, ebendaselbst befindlicher Brief dieses Künstlers vom Jahre 1555den Schild mit fünf Halbmonden: das Wappen der Piccolomini.^ Dieschmale Schildform, die von so vielen Bildwerken der italienischen Renais-sance, Trophäen u. s. w. allbekannt ist, darf an sich schon als charakte-ristisch italienisch angesehen werden.

Andere Zeichen sind unzweifelhaft französische Sinnbilder. Die Liliekann nicht unbedingt hierher gerechnet werden, da diese in Wappen ver-schiedener Länder erscheint; aber am frühesten und häusigsten ist sie dochin nordfranzösischen Dokumenten aufgefunden worden, so in einfacherForm, dann mit zwei Kleeblättern oder mit einem Halbmond aus denJahren 1350 bis 1380. Ungefähr 1400 findet sich das französischeWappen, der Schild mit drei Lilien, welchem später ein Kreuz mit denLeidenswerkzeugen, eine Streitart, ein Krummstab, ein Buchstab u. a.beigefügt ist; daran reihen sich die Wappen einzelner Landschaften, häufigmit der Lilie in Verbindung gebracht: der Delphin der Dauphine (1460),der Lilienschild mit einem sogenannten Turnierkragen oder Rechen amobern Rande Anjou (1<!65), die mit Antoniuskreuzen besetzten Schräg-balken von Trotzes (1468), das Wappen von Paris (1488), ein Schildmit der Lilie und dem Worte lile Lille oder Ryssel (ungefähr 1470).Da Frankreich und Burgund durch lange Zeit die'Nachbarländer mitPapiex versorgten, erklärt sich das Vorkommen solcher oder ähnlicherWasserzeichen in Straßburg, im Haag, in Utrecht , und ebenso wenigauffallend ist die Verpflanzung derselben nach England durch Carton.