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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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Kapitel.)

Benennung von Formaten nach Wasserzeichen.

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(vielfach in Sachsen), Tnrm^, Stern, Schiff, Ateeblatt, Rosette, diegebräuchlichsten rvaffcn und Werkzeuge, das Hifthorn, Wappen- undHaustiere, die Dranatblüte mit Blättern, die Birne mit Blättern u. a. m.sind wohl in allen Ländern gebräuchlich gewesen. Von seltenen und origi-nellen Marken wären zu verzeichnen das veronicatuch (1399), dieNönchskapuze, das Weberschiffchen (14. Jahrhundert), der Leopardmit untergeschlagenem Schweif (1406), der Dudelsack (1413), der thro-nende Papst (1456) und die, wie es scheint, letzteres Bild karikierendegrinsende Figur mit einem Krummstab (1499), der Schubkarren miteinem Kreuz statt des Rades (1457), zwei kämpfende 'Affen (1457), einSatyr mit einem Scepter (1459), Blitze unter einer Krone (1482)sämtlich französisch, die Sirene (zuerst norditalienisch, ungefähr 1361).

Einzelne Wasserzeichen haben für lange Zeit gewissen Papiersortenden Namen geliehen, wie Kronenpapier, Adlerpapier, Kkisiri u. a. m.In England werden noch jetzt Bücherformate nach den ehemaligen Wasser-zeichen benannt, z. B. xost 8^° nach Denne-° ist diesä Bezeichnungvon dem Hifthorn hergeleitet, welches in späterer Zeit für ein Posthornangesehen wurde, erovn 8^°, koolsog-x; auch in Deutschland wardies bezüglich des ?ro pAtris. (das Wappen der Generalstaaten vonHolland ) noch bis in daS laufende Jahrhundert hinein üblich.

Die Sitte, das Geschriebene mit Zeichnungen zu schmücken ^, ist soalt wie das Bücherschreiben. Und zwar gehen hier die lehrhafte Absichtund der künstlerische Schaffensdrang teils nebeneinander her, teils ver-einigen sich beide. Bei den Römern erkennt man, soweit Röhrichtenvorliegen, die erstere Richtung: Ratnrhistoriker lieferten Abbildungen derPflanzen oder Tiere, von welchen ihr Text haneeltc, Mathematiker gabendie Figuren zu ihren Lehrsätzen, und auch die 700 Bildnisse, mit denenMarcus Tercntius Varro (112 bis 28 v. Chr.) seineHedäoiriÄclös"(in einer Art autographischcr Vervielfältigung?) ausgestattet haben soll,würden ebenfalls dahin zu rechnen sein. Hier handelt es sich mithinum die Illustration im eigentlichen Sinn, d. i. die bildliche Erläute-rung des Wortes. Aber schon in dem Virgil aus dem 4. Jahrhundertn. Ehr., welcher eins der kostbarsten Cimelien der vaticanischen Biblio-thek bildet, fällt der praktische Zweck fort: angeregt durch den Dichter,