Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

Ältere Buchillustration.

^Viertes

schildert der Künstler die Scenen, wie er sich dieselben vorstellt, oderwie sie von alters her dargestellt worden waren; und wenn er den Ge-stalten die Personennamen beifügt, so folgt er darin nur dem Beispielder Vasenmaler u. s. w. Noch Jahrhunderte lang nach ihm unter-stützten die Maler ihre Kunst der Erzählung und Charakteristik durchsolche Beischriften. Im wesentlichen auf demselben Standpunkt stehendie altbhzantinischen Buchmalereien, von denen leider die Bilderstürmerso wenig haben auf die Nachwelt kommen lassen. Allein hier tritt be-reits ein neues, fÜ7 die weitere Geschichte der Buchausstattung bedeutsamesElement hinzu. Die eigentlichen, selbständigen Bilderbeigaben in Büchernreligiösen Inhalts (und dahin gehört die große Mehrzahl) bestehen inporträtartig gehaltenen Darstellungen der Evangelisten, manchmal auchdes lehrenden Christus, ferner in Kompositionen zu den erzählten Vor-gängen; der Text aber wird mit besonderer Auszierung versehen: Rand-einfassungen der Canonestafeln, welche den Evangeliarien vorausgeschicktzu werden Pflegen, und großen farbigen oder vergoldeten Anfangsbuch-staben. In beiden Richtungen hält die byzantinische Kunst sich in ziem-lich engen Grenzen, welche sich teils durch die beschränkenden kirchlichenVorschriften, teils durch die sozusagen fabrikmäßige Herstellung der Codiceserklären läßt. Der durch Kaiser Leo III. 726 heraufbeschworene Bilder-streit führte zunächst die Zerstörung unzähliger Kunstwerke herbei undhatte endlich zur Folge, daß sowohl die Typen der heiligen Personenals auch die historischen Darstellungen immer wieder mechanisch kopiertwurden, und ebenso in den mit musivischen Mustern bedeckten und aufdem Gebälk Vögel, Springbrunnen, Vasen u. a. m. tragenden Arkaden,welche die Canones unirahmen, eine große Einförmigkeit eintrat.

Viel freier bewegte sich die Buchmalerei im Abendlande. In denSkriptorien der Klöster wurden unablässig nicht nur die Bücher fürden Kirchendienst, sondern auch Schriften der römischen Klassiker kopiert.Man umzog mit roten Linien das zu beschreibende Feld des Pergament-blattes und zeichnete den Anfangsbuchstaben eines Kapitels oder Absatzesdurch Größe und rote Farbe aus. Von dem Rot (rudrum) jenerLinien erhielten die Einteilungen des Blattes die Bezeichnung Rubriken,nach der Farbe Mennig (miniuw) aber wurden Buchmaler und Buch-malerei Niniatorcn und Miniatur genannt, welche Namen beiden blieben,als sie längst über diese einfachen Mittel hinausgegangen waren.