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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Der Holz- oder Formschnitt. Modeldruck.

^Viertes

und Bilder derartig in eine Holzplatte zu schneiden, daß sie höher alsder Grund stehen blieben und, mit Farbe bestrichen, auf Papier abge-druckt werden konnten, ist noch nicht endgültig beantwortet worden, dadie Angaben einheimischer Schriftsteller zwischen dem 6. und 10. Jahr-hundert schwanken. Dagegen ist die bisher nur als Vermutung ausge-sprochene Ansicht, daß der Zeugdruck vermittelst der Model bereits denalten Völkern bekannt gewesen sein möge, durch die Auffindung einesaus solche Weise ornamentierten Leinwandstückchens in einem ägyptischenGrabfelde bestätigt worden.^ Ein Stuck Baumwollenstoff mit der auf-gedruckten Darstellung des Ganymed besitzt das berliner Kunstgewerbe-Museum; die Zeichnung ist schwarz, rot und golden, das in Pulverformaufgestäubte Gold haftet auf einem bräunlichen Klebestoff; stilistische Ver-wandtschaft mit den aus dem Funde von Nagh-Szent-Miklos (im Banat )herrührenden sogenannten sassanidischen Gefäßen im wiener Münz- undAntikeukabinet hat diesen Zeugdruck ebenfalls als sassanidisch bezeichnenund in das 6. bis 7. Jahrhundert setzen lassen.^ Aus späterer Zeitfinden sich bedruckte Stoffe an liturgischen Gewändern nicht selten. Einitalienischer Künstler zu Anfang des 15. Jahrhunderts, Cennino Cennini ^,beschreibt das Verfahren hierbei so, daß die mit Farbe bestrichenen Modelauf den in einen Rahmen gespannten Stoss gesetzt und durch Reibenmit einem hölzernen Schilde oder Schildchen (also Wohl einerrunden Platte mit einer Handhabe) auf der Unterseite des Stoffs einGegendruck hergestellt wurde. Und Fr. Lippmann" glaubt, daß diefrüheste Art des Bilddrucks auf Pergament oder Papier insofern mitjenem Verfahren übereingestimmt habe, als die Druckform auf die zubedruckende Fläche aufgesetzt und aufgedrückt worden sei, sonach der so-genannte Reiberdruck bereits eine zweite Entwickelungsstufe bezeichne. Eswird nämlich gewöhnlich angenommen, daß vor Erfindung der Buch-druckerpresse alte Abdrücke von Bildformen durch Auflegen des angefeuch-teten Papiers auf die Form und Bearbeiten der Rückseite desselben mitdem Reiber, einem mit Kuhhaaren ausgestopften Lederballen, bewerk-stelligt worden seien. Dergleichen Abdrücke sind daran kenntlich, daß dieLinien der Form sich in das Papier förmlich eingedrückt haben und da-her auf der Rückseite des Papiers ein wenig hervortreten, welche außer-dem durch das Reiben merklich geglättet ist. Lippmann weist aber nach,daß nicht wenigen ganz frühen Holzschnitten eben jene beiden Kennzeichen