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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Die Mönche als Buchbinder.

^Viertes

Golde ausgetragene Kompositionen erst zur Geltung kamen, wenn derSchnitt etwas verschoben wurde.

Auch für die Buchbindung im frühen Mittelalter gilt das Wort: dieMönche wurden Künstler und die Künstler Mönche. In den Skripto-rien mußten eben die Bücher völlig fertig gestellt werden, und den Bene-diktinern wurde das Einbinden nicht weniger zur Pflicht gemacht, alsdas Lesen, Schreiben, Korrigieren und Ausmalen der Bücher. Aus derBlütezeit der irischen Kunst sind Namen solcher geistlichen Buchbindererhalten. So versah Bilfrid oder Billfrith, der Einsiedler auf der InselLindisfarne an der Küste von Northumberland , welcher das von dendortigen Bischöfen Eadsrith und Aethelwald im ersten Drittel des8. Jahrhunderts geschriebene und gemalte Evangeliarium des heiligenCuthbert (auch Evangeliarium von Lindisfarne oder von Durham ge-nannt, jetzt im Besitz des British Museum ) mit einem kostbaren Ein-band, welcher leider, wahrscheinlich in der Reformationszeit, einem ausJuchten hat weichen müssen. Derselbe Aethelwald (Ethelwold) rühmtden irischen Mönch Ultan als geschickten Buchbinder. Bischof Hermannvon Salisburh, um 1080, band selbst die von ihm geschriebenen undminiierten Bücher, und der Benediktiner Henry von Hyde Abbey beiWinchester, um 1178, vereinigte seine Abschriften des Terenz, Boethius ,Sueton und Claudian in einem Band, für welchen er die Metallbuckeleigenhändig verfertigte. Auch dieBrüder vom gemeinsamen Leben "befaßten sich mit der Bücherherstellung in ihrem ganzen Umfange; derRektor betraute einen Bruder mit der Leitung der Buchbinderei und derAufsicht über das Arbeitsmaterial, und als das Abschreiben durch die Buch-druckerkunst überflüssig geworden war, wandte sich die Brüderschaft ins-besondere noch dem Einbinden zu. Auch der berühmte Abt von Spon-heim, Johannes Trithemius (1462 bis 1516), hielt seine Mönche zumSchreiben und Binden an, desgleichen der Abt von St. Ulrich und Afrazu Augsburg , Melchior von Stamheim,' um 1472, und ein Kaplan vonGeislingen, Johannes Richenbach , nennt sich auf mehrern Büchern, z. B.einem Hieronhmus in der pariser Nationalbibliothek, als Verfertiger desEinbandes, dazu das Jahr 1469.

Auch als das Einbinden längst ein bürgerliches Gewerbe gewordenwar und nur noch ausnahmsweise von Laienbrüdern in Klöstern geübtwurde wie in Kremsmünster noch im 18. Jahrhundert blieben