Kapitel.)
261
die Buchbinder sozusagen Schutzverwandtc der Kirche und der Univer-sitäten, genossen, als zum Gelehrtenstande gehörig, auch dessen Privilegien,wie sie in der Zeit der Renaissance häufig als Hoshandwerker vorkommen.
Glücklicherweise haben deutsche Buchbinder häufiger als die andererLänder ihren vollen Namen oder doch Anfangsbuchstaben auf Arbeitenangegeben, mit denen sie sich sehen lassen konnten. So kommt es, daßwährend über die Meister, die für Maioli, Grolier> Diana von Poitiers u. s. w. gearbeitet haben, kaum eine Vermutung aufgestellt werden kann",für Deutschland eine nicht geringe Zahl von Namen aus älterer Zeitzur Verfügung steht: Heinrich Walram, Verfertiger eines gepreßten Leder-bandes aus dem 17. Jahrhundert, in, städtischen Archiv zu Köln "; An-dreas Jäger in Augsburg , 15. Jahrhundert; Kaspar Ritter, von welchemdie Münchener Hofbibliothek sieben Bände in rotem, teilweis bemaltemMaroquin besitzt; Johann Hqgmayer in Ulm , welcher seinen Namen z. B.auf einem geprägten Einband um 1480 aus zwei in regelmäßiger Ver-schlingung die Bordüre bildenden Bändern fortlaufend und in der Artangebracht hat, daß immer oben der Familien- und darunter der Vor-name zu stehen kommt"; Hans Wagner zu Lauingen , Walter Fabriciusund Lazarus Zetzner zu Köln, Reußenholz zu Straßburg . Eine größereZahl von Künstlern, welche am sächsischen Hofe thätig und gelegentlich,wie alle „Hofehandwerker", Gegenstand der Anfeindung der Zünftigengewesen sind, macht Steche" namhaft; nach seinen Mitteilungen hatteKurfürst August seine Hofbuchbinderei im eigenen Schlosse zu Dresden unterbringen lassen und besaß selbst eine Buchbinderlade nebst allem Zu-behör, welche er gern benutzte. Als die Kurfürsten noch in Wittenberg residierten, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, war TheodorKrüger der vorzüglichste Buchbinder. Kurfürst August berief 1566 JakobKrauße von Augsburg und 1578 Kaspar Meuser. In der Folge ar-beiteten Jakob Weidlich und dessen Sohn Christoph, welcher vorher inDiensten des Herzogs Friedrich von Würtemberg gestanden hatte, MathiasHausse und Bastian Ebert aus Leipzig , Kaspar Krafft um 1597. Beiihnen allen ist man, ihrer Stellung zufolge, berechtigt, eine hervorragen-dere Leistungsfähigkeit vorauszusetzen; weitere Namen anzuführen hättekeinen Zweck. Es wären eben nur Namen; die Leistungen ihrer Trägersind unbekannt."
Geschmack und Gediegenheit in der Ausstattung des Buchs im all-