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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.I Herstellung und Vertrieb des Buchs in Einer Haud. 265

jmigen Bände so genannt werden dürfen, welche vor dem 1. Januar1500 gedruckt wurden? Außerdem bezeichnet der Anfang des neuenJahrhunderts durchaus keinen Fortschritt in der Geschichte der Kunst,geschweige denn der Menschheit, wohl aber thut es die große Kirchen-reformation, welche für das ganze denkende Europa den Übergang ausdem Mittelalter in die neue Zeit bildet. Es wäre also vielleicht vielbezeichnender gewesen, wenn man überhaupt eine Jnkunabelnzeit an-nehmen und bestimmt abgrenzen will, die Periode vor 1520 das Fo-liantenzeitalter zu nennen, weil bis dahin fast nur ausnahmsweise inandern Formaten als in Folio gedruckt wurde. Dieser Unterschied istkein bloß äußerlicher. Der Verbreitung der Bildung im Volke hatteneben die Folianten wenig oder gar nichts genützt. Die eigentliche welt-beherrschende Bedeutung des Buchhandels beginnt vielmehr erst mit demüberwiegenden Auftreten der kleinen Formate, welches in seinen Wir-kungen eine vollständige Revolution bedeutete.

Der buchhändlerische Geschäftsbetrieb bedürfte zur Herstellung und zumVerkauf der Bücher der im Anfang meist in einer Person vereinigtenThätigkeit des Schriftgießers, des Buchdruckers, des Verlegers und desHändlers. Mit dem größern Leserkreise und dem durch ihn angeregtenErscheinen zahlreicherer Preßerzeugnisse zerfiel aber diese Vereinigungverschiedener Geschäftszweige allmählich wieder in ihre verschiedenen Be-standteile, sodaß jeder von ihnen nun das ihnen allen gemeinschaftlicheZiel selbständig, aber den andern ergänzend, ins Auge faßte.

Es handelt sich hier zunächst um den Schriftguß. Gutenbcrg und Fustbesorgten diesen selbst. Jener hatte sich als der Erfinder beweglicherBleithpen mit dieser Kunst vertraut gemacht und sich schon in Straß-burg bei seinen ersten Versuchen im Spiegelgießen der Hülfe von Gold-schmieden bedient. Fust war von Haus aus ein solcher und daher besondersgeeignet, die Tragweite der neuen Erfindung zu erfassen. Die Goldschmiede-kunst ist in der That eine Art Vorschule des Schriftgusses. Der Gold-schmied mit seinen technischen Kenntnissen war dem ersten Drucker un-entbehrlich, da er Stanzen hatte, mit welchen er seine Ornamente ausMetall vervielfältigte. Er mag sogar schon früher Inschriften durchEinschlagen einzelner Stanzen mit verkehrt geschnittenen Buchstabenhergestellt haben. ^ Jedenfalls war es der Goldschmied, welcher für dieersten Drucker die Stanzen anfertigte. Diese suchten deshalb auch zur