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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Schriftguß: Goldschmiede und Stcmpclschneider.

Mnstes

Herstellung ihrer Schriften die Goldschmiede als Mitarbeiter zu ge-winnen. Schöffer ließ, um sich so lange als möglich sein thatsächlichesMonopol zu bewahren, weder Matrizen noch Schriften käuflich ab. Nurdie hervorragendsten und bemitteltsten Offizinen konnten untadelhafteTypen liefern; die Kosten ihrer Herstellung erforderten ein zu großesKapital und die Beschaffung der unentbehrlichen Arbeiter ließ sich oftnicht ohne bedeutenden Zeitverlust bewerkstelligen. Erst gegen Ende des15. Jahrhunderts entstanden selbständige Schriftgießereien. So langedauerte es, daß der Goldschmied, der oft genug zugleich der Kapitalistwar, geneigt blieb,, seine Thätigkeit und seine Mittel, sei es ganz, seies teilweise, der neuen Kunst zuzuwenden. Bis dahin vergingen oftJahre, ehe die Drucker ihre Stempel graviert, ihre eigenen Typen ge-gossen hatten, ehe sie also mit dem eigentlichen Druck von Büchern be-ginnen konnten. Ausdrücklich wird diese Thatsache von Schweinheimund Pannartz erwähnt, die sogar zweimal (zuerst in Subiaco und dannin Rom ) eine solche kostspielige Vorarbeit unternehmen mußten, vonWcndelin von Speyer in Venedig, von Johann Neumeister in Italien und Frankreich und von Kranz, Gering und Areiburger in Paris . Unterdiesen Umständen war es damals für einen Mann, der sich als Druckermit einem andern associieren wollte, schon eine schwerwiegende Empfehlung,der Bruder eiues Goldschmiedes zu sein.

Neben diesem tritt der Stempelschneider, Formschneider und Schön-schrciber als Mitarbeiter für die Herstellung der Typen auf. Schöffer,als alter Schönschreiber, lieferte dem Formschneider neue Zeichnungenund Modelle. König Ludwig XI. sandte angeblich schon 1458 ^ seinenMünzstempelschneider Nikolaus Jenson aus Tours zur Erlernung derBuchdrnckerkuust nach Mainz . Dieser nämliche Künstler erschien einigeJahre später, zwischen 1470 und 1480, wieder in Venedig, wo er sichzum berühmtesten Stcmpclschneider seiner Zeit emporarbeitete, der seinegeschmackvollen Schriften an die bedeutendsten Druckereien des Inlandesund Auslandes verkaufte. Nach Didot muß Jenson Typen an Euch -rius Silber in Rom abgegeben haben, da des letztern 1490 erschieneneAusgabe von Cicero's Briefen an Atticus mit ganz denselben Typengedruckt ist, mit welchen Jenson 1475 seinen Cicero hergestellt hatte.Jedenfalls muß er der erste größere Händler mit Buchdruckerschristengewesen sein. In Straßburg gössen Goldschmiede, Formschneider und