268 Schriftgießereien. Die ersten Buchdrucker: Studenten. ^Fünftes
Schriften „in der goldenen Sonne" als in der Sorbonne. Man über-trug eben unwillkürlich, da man noch gar keine Ahnung von dem univer-sellen Charakter der Kunst hatte, die eng beschränkte Aufgabe der Hand-schrift auf die gedruckten Bücher, und lebte in den Anschauungen desMittelalters unbefangen weiter. Von deutschen Städten waren es na-mentlich Straßburg und Basel , welche die ersten großen Schriftgieße-reien einrichteten und deren Erzeugnisse bald nach Norden und Südenhin verkauften. Von tüchtigen Künstlern unterstützt, waren sie schon imAüfaiig des 16. Jahrhunderts im Stande, nicht allein eine reiche Auswahlgeschmackvoller deutscher Typen, sondern auch in Nachahmung der neuestenvenezianischen Erfindungen Antiqua und Aldinische Kursiv zu liefern.Augsburg und Nürnberg folgten dem Beispiel jener Städte bald nachund trugen das Ihrige dazu bei, den Buchdruck und Buchhandel un-abhängig von der Selbstherstellung der Schriften zu machen.
Fortan also ist es einzig und allein der Buchdruck, welcher die Vor-aussetzung des Buchhandels bildete. Beide sind sogar so eng verbunden,daß sie vielfach miteinander verwechselt werden; namentlich aber hat sichbis in die neuere Zeir hinein der Begriff des Buchdruckers noch nichtprinzipiell von dein des Verlegers geschieden
Die Buchdruckereien nun bezogen ihre Arbeitskräfte — Setzer undDrucker — aus allen möglichen Klassen und Gewerben, namentlich aberaus den Kreisen der Schreiber und der ihnen verwandten Berufs-gattungen, wie Formschneidern, Briefmalern, Illuminatoren und Mi-niaturmalern. Der Zahl nach natürlich viel geringer und der Zeitnach später schließen sich ihnen verdorbene Studenten und überhauptjunge Männer der gebildeten Stände an, die ihren Beruf verfehlt oderim Leben schon Schiffbruch gelitteit. haben. Seitdem nun gar dasDrucken eine einträgliche Industrie geworden, suchten Leute aller Ständedarin ihren Broterwerb. Damalige Schriftsteller, wenn sie sich überdie schlechten Sitten der Studenten beklagen, erzählen, daß viele der-selben, unfähig einen Grad zu erlangen, sich zuletzt als Druckergehilfenverdingten. Sie verstanden gerade genug Latein, um als Setzer latei-nischer Bücher zu dienen. Sebastian Brant , der während seines Auf-enthalts zu Basel , wo er bei Amerbach und andern Korrekturen besorgthatte, mehr als einen solcher ehemaligen Studenten gesehen haben mag,beschreibt sie als ebenso liederlich, wie auf den Universitäten. An einem