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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitels

Die seßhaften Buchführer. Meßverkehr der Verleger.

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Die deutschen Prospekte bildeten dagegen damals anscheinend, wieüberhaupt die deutsche Litteratur, die bedeutende Minderheit. ÄußerGünther Zainer , der etwa zwei Drittel lateinischer und ein Drittel deut-scher Bücher anbot, brachten allein Johann Bämler und Anton Sorgnur deutsche Verlagsartikel auf den Markt. Es ist eine interessanteThatsache, daß die erste deutsche Volkslitteratur aus Augsburg kommt.Sorg kündigt unter anderm die VolksbücherGriseldis",Die schöne Me-lusine" u. s. w. an, Bämler aber populäre juristische und theologischeWerke.

Alls dem Hausierer nun wurde der Buchführer in dem Augenblick,wo der Handel sich nicht mehr im Umherziehen bewältigen ließ, wo derGeschäftsverkehr der wandernden Händler aus Messen und Jahrmärktenuntereinander begann und wo die Masse der neuen Erscheinungen ausdie weitere Teilung der Arbeit drängte. Nicht daß der Wanderverkehrüberhaupt in Wegfall gekommen wäre; er blieb vielmehr und wuchssogar an Ausdehnung und Umfang. Aber es trat eine gleichsam aristo-kratische Scheidung ein: der Großbetrieb der Buchführer hielt an denGeschäftsreisen aus bie großen Märkte und in fernere Gegenden fest,der Kleinverkehr dagegen, der eigentliche Hausierhandel, beschränkte seinFeld immer mehr auf die Kleinlitteratur, auf die Flugschriften und dieVolkslitteratur, eine Umwandlung, welche sich schon gegen Ende des15. Jahrhunderts zu vollziehen begann.

Um aber den Absatz ihrer Artikel noch wirksamer zu betreiben, be-suchten die Verleger selbst die Jahrmärkte und Messen der mittlern undgrößern Städte, boten dort im unmittelbaren Verkehr mit dein Publikumdie Erzeugnisse ihrer Pressen aus. Es seien hier vor allem erwähntFrankfurt a. M. und Leipzig, Nürnberg, Straßburg, Basel, Zurzach ,St. Gallen, Augsburg, Nördlingen, Naumburg, Erfurt und Breslau .Wie die Kaufleute hier seit Jahrhunderten ihre Einkäufe gemacht undunter anderm auch Handschriften, ja Flugblätter politischen oder theolo-gischen Inhalts, sei es auf eigene Gefahr, sei es im Auftrag Dritter, ge-kaust oder verkaust hatten, so dehnten sie sehr bald nach Erfindung derBuchdruckerkunst ihre Kundschaft auch auf Bücher aus. Das Bedürfnisnach ihnen entsprang aus, und fußte natürlich auf dem bisherigen Hand-schriftenhandel. Wenn schon, wie bereits erwähnt, 1439 die siebenbürgerKaufleute den litterarischen Verkehr dieser deutschen Kolonie mit dem