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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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286 Charakter der in Frankreich u. s. w. erscheinenden Litteratur. Winftes

In Frankreich kommen lediglich Paris und Lyon in Betracht. Inder Hauptstadt hatten sich die ersten von der Sorbonne berufenen deut-schen Drucker deren Aufsicht und Befehlen zu fügen, durften nur die.von ihr vorZeschriebene Litteratur herausgeben. Die Richtung dieserFakultät war, nachdem Fichet und Heynlein Paris verlassen, eine eng-herzig scholastische, weshalb die Pressen sich auf das Gebiet der theolo-gischen und juristischen Litteratur beschränken mußten. Nur unter dem Ein-fluß jener beiden Männer hatten Kranz, Gering und Freibnrgcr auch alteKlassiker gedruckt; dagegen verlegten sie kein französisches Buch. Das erstein dieser Sprache veröffentlichte der burgundische RomanRsonsil äs3Histoires cks Irois" erschien überhaupt nicht in Frankreich , sondern inKöln a. Rh. 25 Lyon dagegen und mit ihm der ganze Süden des Landesschlug eine der pariser wenn man von vereinzelten Ausnahmen, wiez. B. Antoine Verard, absieht ganz entgegengesetzte Richtung ein, indemer die volkstümliche Litteratur vervielfältigte und mittelalterliche, roman-tische Erzählungen und scherzhafte Gedichte durch den Druck der Nachwelterhielt. Es erschienen hier die ersten Ausgaben desKowan 6s 1s. Kv8s",der?arss cks ?g.tlisIiQ", dert)uir>2s ^o'iss äs Ug.ria.gs", desLliam-xion ckes vauies" und einiger Stücke von Main Chartier, die erste Über-setzung der?a.esti»,s" von Poggio und eine Menge von kurzweiligenSchriftchen, welche ohne die lyoner Druckereien wahrscheinlich unter-gegangen wären. 2s Daneben aber ist für Lyon auch die Pflege derjuristischen und medizinischen Litteratur beachtenswert.

Unter den 62 Werken, welche William Caxton seit 1477 in seinerHeimat druckte, zählt die Theologie nur mit 10; der Rest hingegengehört den Ritterromanen, oder andern mehr oder minder romantischenGeschichten, sowie der Litteratur und den Sitten der Zeit an. Imganzen 15. Jahrhundert erschien in England keine einzige Bibel; von1526 bis 1600 aber wurden von ihr nicht weniger als 306 Ausgabenveranstaltet. Die Reformation hatte diesen so ungeheuern Umschwungder Anschauungen im Gefolge. In Spanien endlich handelte das erstegedruckte Buch von der Empfängnis Mariä.

Und wie in ganzen Ländern, so gestattet auch in einzelnen Städtender bloße Titel der dort gedruckten Bücher einen unverfälschten Einblickin die jeweilige Bildungsstufe ihrer Bürger. Die Zahl der von Köln im 15. Jahrhundert ausgegangenen Drucke beläuft sich auf etwa 800. ^°