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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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Kapitels

Charakter des Verlags einiger wichtigen Druckorte.

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Dem Charakter der dortigen Universität entsprechend sind sie meist theo-logischen Inhalts; die Zahl der geschichtlichen Werke dagegen ist sehrgering, und von klassischen Schriften sind nur die Ausgaben einigerBücher Cicero's, von Sallust, Terenz, Seneca, Plutarch u. s. w. zunennen. Während daher Köln , solange es eine hervorragende Drucker-thätigkeit ausübte, die Hochburg der katholisch-litterarischen Anschauungenund Bestrebungen war, wurde Wittenberg , als Wiege der Reformation,der Hauptverlagsort für protestantische Theologie und namentlich für denDruck der Bibel und der lutherischen Schriften. In Straßburg bildetenanfangs auch die theologischen und juristischen lateinischen Werke, nament-lich diejenigen über kanonisches Recht, die große Mehrzahl, während biszum Ende des 15. Jahrhunderts von deutschen Drucken höchstens 40erschienen waren; allein mit dem Aufleben der humanistischen Studientrat eine wesentliche Veränderung ein. ^ Vom Anfang des 16. Jahr-hunderts an überwiegen deshalb auch die zur Verbesserung des Schul-unterrichts bestimmten Schriften, sowie die Ausgaben alter Autoren, dieWerke neuerer Geschichtschreiber und Dichter. Neben der Humanisten-litteratur blüht immer mehr die populäre. Es erscheinen in Mengedeutsche erbauliche, geschichtliche, rechtliche, medizinische, poetische, belusti-gende Bücher, Flugschriften und fliegende Blätter, darunter auch ehren-rührige Satiren. Erfurt und Leipzig, teilweise auch Köln , sind Jahr-zehnte hindurch die Hauptpflegestätten für die Rechtswissenschaft und denDruck der sich mit ihr beschäftigenden Bücher. In Basel kommen zu-erst Rechtsbücher, Legenden und romanhafte Erzählungen, später ersttheologische und kritisch-philosophische Werke heraus. So bleibt es zweiJahrhunderte hindurch der Sitz des gelehrten Verlags. Nürnberg undAugsburg zeigen gleich vom ersten Augenblick ihrer Verlagsthätigkeit aneine encyklopädische und kosmopolitische Thätigkeit, indem sie als regeHandelsstädte jedem litterarischen Geschmack und Bedürfnis gerecht zuwerden suchen, namentlich aber auch die Volkslitteratur pflegen.

Auch bei den einzelnen Verlegern läßt sich von ihrer Spezialitätleicht aus ihre geistigen Ziele schließen. Johann Froben z. B. druckte,von seinem Schwiegervater und Geschäftsführer Lachner, sowie auch vonErasmus, mit beeinflußt, meist Kirchenväter und theologische Werke, vondiesen aber am liebsten Folianten, und nur wenig Klassiker. Er sahmit Geringschätzung auf die kleinen Bücher herab und wollte nurZrg.n-