Kapitel.)
Gliederung des BuchlMdcls,
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Orten das Bedürfnis nach litterarischen Hilfsmitteln und förderte durchderen Massenvertrieb die Entwickelung des Sortimentsbuchhandels inungewöhnlicher Weise. Außer Acht darf dabei allerdings nicht gelassenwerden, daß für die charakteristischste Betriebsform desselben, für denHausierhandel, der Wohnsitz des Buchführers so gut wie Nebensachewar; andernfalls müßten z. B. Johann Nefe in Groß-Glogau mit seinemausgedehnten Verkehr, Hans Bischof von Triptis und die beiden Buch-führer Paul Ehrlich, zugleich Apotheker, und Johann in Jüterbog in denzwanziger Jahren einiges Befremden erregen.
Übrigens war schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts der deutscheBuchhandel in seinen Hauptzweigen fast ebenso entwickelt und gegliedertwie heutzutage. Es gab Verleger, welche Druckereien besaßen und nurbei sich und für sich druckten, andere, welche trotz ihrer eigenen Druckereiauch fremde Pressen beschäftigten, und endlich Verleger, welche keineDruckerei hatten und nur in fremden Druckereien ihre Verlagsartikelherstellen ließen. Sodann kannte man auch damals schon Verleger, welchenur an ihrem Wohnorte einen Buchladen hatten und hier ihre eigenenVerlagsartikcl feilboten, oder auch solche, die einen allgemeinen Sorti-mentshandel mit ihrem Verlage verbanden, wofür schon Beispiele bei-gebracht wurden; endlich auch Sortimenter, die keinen Verlag besaßenund mit neuen oder mit alten, oder auch mit alten und neuen Büchernhandelten. Das örtliche und persönliche Bedürfnis erzeugte die indivi-duellen Formen des Verkehrs, die sich erst" in spaterer Zeit grundsätzlichschieden.
Namentlich im 17^ Jahrhundert, und sogar bis in die zweite Hälftedes 18. hinein, war der Sortimcnter — wie dies schon im voraus an-gedeutet werden mag — in größerer Ausdehnung zugleich Verleger alszu irgend einer frühern oder spätern Zeit. Es war diese Thätigkeit aberdurchaus kein Beweis für die Blüte, sondern vielmehr für den Nieder-gang des Buchhandels, da sie durch die schlechten Münzverhältnisse, dieArmut der Käufer und die Unsicherheit des Verkehrs bedingt war. DerSortimentshändler verlegte vielfach nur deshalb, um ein Tauschobjekt mitden andern Buchhändlern zu besitzen und um bei dem Tausch ein verhältnis-mäßig besseres Geschäft machen zu können; er übernahm zu diesem Zweckzum Teil kommissionsweise oder zum Eigentum Partien, später oft genug so-gar von Nachdrucken, um nur nicht bar bezahlen zn müssen. Dieser Kom-