Kapitel.) Honorar. Kastigatoren und Korrektoren.
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seine volle Befriedigung. Diese großen und kleinen Bücher bildeten dasManuskript (Rxenaxlaria) für die Pressen und die Drucker hatten genugzu thun, es zu vervielfältigen. Die Gewissenhaften gingen es entwederselbst kritisch durch, oder ließen es von ihren gelehrten Kastigatoren (heut-zutage Korrektoren) oft mit großen Kosten und noch größerm Zeitaufwandrecensieren, d. h. einer philologischen Redaktion unterwerfen. In solchenFällen also trat der Aufwand für diese Hülse an die Stelle des Hotto-rars. Die gewissenlosen Drucker dagegen vervielfältigten das Manuskript,wie es ihnen unter die Hände kam, und bezahlten natürlich nichts, odersie druckten, oft in derselben Stadt, die gründlich durchgesehenen Aus-gaben anderer Verleger nach.
Die ersten veröffentlichten lateinischen Werke wurden in der Regel vonGeistlichen durchgesehen; mit dem Ende des 15. Jahrhunderts tratenvielfach junge Humanisten an ihre Stelle. Sie schrieben zugleich zurEmpfehlung der unter ihrer Aufsicht gedruckten Bücher Vorreden oderlobpreisende Verse, oder verfertigten auch Schlußnoten, in welchen sienicht verfehlten, sich als Kastigatoren einzuführen. Schon Fust undSchöffer hatten, trotzdem daß sie von ihrem engen Handwerksstandpunkteaus lieber nachdruckten, als selbst zahlten,, in der Person des JohannBrunnen einen solchen, wenn auch liederlichen Kastigator. Die großenDrucker dagegen in Nürnberg, Straßburg und namentlich in Basel wandten der Auswahl ihrer Textkritiker und Kastigatoren eine unermüd-liche Aufmerksamkeit zu. Ganz besonders war Johann Froben berühmtdurch die äußere und innere Verläßlichkeit seiner Verlagsartikel. ^ Ersuchte in der Begeisterung für seine Kunst stets die vollendetsten Druck-werke zu liefern. Bei keinem derselben fehlte es, außer zierlicher Schriftund gutem Papier, an den tüchtigsten Korrektoren. Erasmus sagtvon ihm: „Froben wandte ungeheuere Geldsummen aus die Textes-kritiker und oft noch auf die Manuskripte" (aus denen er dett Text end-gültig feststellte). Beatus Rhenanus (1485 bis 1547) ließ sich, nachdemer in Paris Philosophie studiert und sich kurze Zeit in Straßburg auf-gehallen hatte, in Basel nieder und widmete seine ganze Thätigkeit derFrobenschen Druckerei. Er war hier nicht nur Kastigator und Textes-krttiker, sondern auch Frobens Berater bei neuen Verlagsunternehmungen.Erasmus würdigte ihn als selbständigen Schriftsteller und schätzte seinenEinfluß auf Froben , sowie dessen Schwiegervater Lachner, sehr hoch.