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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitel.)

Höhe und Verschiedenheit des Honorars.

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Der Jurist Tauncr schreibt am 26. Oktober 1554 an BonifazinsAinerbach ^,daß Herwagen nur dann den Druck der «JustinianeischenNovellen» in Angriff nehmen wolle, wenn er (Tanner) sich mit einigenFreiexemplaren als Honorar begnügen werde. Für sich persönlich seier zwar damit einverstanden, indessen werde es voraussichtlich der päpst-liche Legat nicht sein, der ihm die Handschriften mitgeteilt habe. Erersuche deshalb Herwagen, daß er nach dem in ganz Frankreich unterden Druckern geltenden Gebrauch wenigstens 12 Exemplare bewilligenmöge."

Bare Houorarzahlungen bilden bis znm 18. Jahxhundert die Aus-nahme und sind immer gering, ja demütigend.^ Der Verleger undDrucker Cyriacus Jacob in Frankfurt a. M. zahlte laut Vertrag von,27. November 1540 dem Johann Schwentzcr für eine Auflage vou1200 Exemplaren der von diesem herausgegebenen teutschenEvaugcticu-Harmonie" ein Honorar von einem Kreuzer per Exemplar. In einemProzeß, welcher sich zwischen Peter Kopfs in Frankfurt a. M. und-gelin's Erben in Leipzig wegen eines angeblichen Nachdrucks entspann,schreibt der Verfasser des betreffenden Buchs, ein Dr. Gregorius, 1594über die Verlagsbedingungen:Ich habe schon vorhin erklärt, daß vielMühe und Arbeit darauf gegangen, denn über 40 Jahre daran colli-giert und gearbeitet habe, deswegen mir eine ehrliche Ergctzlichkeit dafürgebührt, weil das Werk nützlich und groß ist. Und ob ich wohl mehrdenn 100 Thaler dafür bekommen kann, will ichs Euch doch dafür zu-kommen lassen, wovon mir die Hälfte schon in der Messe gewiß über-sandt, auch nach dem Druck die andere Hälfte und 5 Exemplare aufEure Kosten überschickt werden möchten." In einem zweiten Briefewundert er sich, daß diese Forderung deni Peter Kopsf zu viel sei, undbegnügt sich mit 50 Thalern und 10 Freiexemplaren. Und dabei solltedas Werk über 100 Bogen in Folio stark werden!

Für die meisten Gelehrten jener Zeit war eben die Schriftstcllerciein Nebengeschäft, bei welchem der Geldgewinn erst in zweiter Liniestand. Nur hieraus erklärt sich die geradezu jämmerliche Honoricruugihrer Arbeiten. Natürlich hatten die Verleger ein sehr naheliegendesInteresse daran, die von ihnen gezahlten Honorare möglichst niedrig zuhalten; das gelegentlich hervortretende Faktum einer wirklich anständigenHonorierung erregt». Unter Umständen Unbehagen, ja eine komische sitl