Kapitel.)
Die Dedikation und ihre Bedeutung.
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super sxtorquere xotsris, tidi osäs-t sing.ru" lautet der Köder fürGoldast. Ouirinus Reuter, derselbe Heidelberger Professor, welcher seineWerke zu einem halben Gulden per Bogen verkaufte, ruft am 22. No-,vember 1609 in einem Briefe an Goldast wehmütig aus: „Männerunsers Standes pflegen den Buchhändlern zu dienen; diese haben denGewinn, was aber haben wir?" „Von meinem Verleger", klagt Freherendlich 1610 wieder, „habe ich bloß einen halben Reichsthaler für denBogen erhalten können und auch dies Honorar nur äußerst widerwillig."Mit und nach dem Dreißigjährigen Kriege wurden diese Verhältnissenur noch schlimmer, denn fortan war die Lage des Buchhandels eineäußerst gedruckte, und wenn früher unter allen möglichen Vorwändennicht gezahlt wurde, so war es in der zweiten Hälfte des 17. Jahr-hunderts beim besten Willen meistens fast unmöglich.
Aus diesen jämmerlichen Honorarbezügen entwickelte sich ein anderes,noch größeres Übel, der oben bereits angedeutete Dedikationsunfug, dennatürlich die Verleger begünstigten, weil er einen Teil der eigentlichihnen obliegenden Last auf andere Schultern wälzte. Wenn die Dedi-kation ursprünglich lediglich die Bedeutung einer Ehrenbezeigung oderder Huldigung und der Vercbrung gegen die Person des Gewidmetenhatte und diesen Charakter in neuerer Zeit auch wieder erlangt hat, sowar sie in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts in der Regel nurein anfangs verschämtes, später aber unverschämtes Mittel, sich einenkleinern oder größern Nebenverdienst zu schaffen. Natürlich wurde mitdiesen unterthcinigsten und allerunterthänigsten Dedikationen auf die Eitel-keit der Gönner spekuliert und besonders gern reichen Mäcenaten, vor-nehmen Herren und dem Rate der großen Reichsstädte gehuldigt. DerHumanist Konrad Goclenius (Gockeln aus Mengeringhausen im StiftePadcrborn, 1485 bis 1535) widmete dem englischen Kanzler ThomasMorus seine lateinische Übersetzung des Lukianischen Dialogs „Hermo-tinios" und erhielt dafür einen vergoldeten, mit Goldstücken gefülltenBecher. Als Kaspar Stüblin 1558 dem Kaiser Ferdinand seine Über-setzung des Euripides ins Lateinische widmete, erfolgte die Verfügung,daß er „mit einer ziemlichen Besoldung zu Freiburg angestellt werdensolle, die RuäiiusritÄ livFUÄö in nriivsrsitutö xulzlivs zu
lehren". Jener Widmung an Thomas Morus liegt offenbar keine ge-winnsüchtige Absicht zu Grunde. Eine solche läßt sich selbstredend auch