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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Huinanistisch-wisscnschaftlichc Periode. Wien . ^Sechstes

nisten vor und während der Reformation als Lehrer der Jugend thätigwaren. Dabei hat Langen Bibliotheken in kleinen westfälischen Land-städtchen, wie z. B. Lünen, gegründet oder gründen helfen, welche heut-zutage nichts mehr jener Zeit Ähnliches aufzuweisen haben; dauernd aberwar der Segen, welchen die Tausende von Humanisten aus der SchuleHegius ' und Langens im engern und weitern Vaterlande verbreiteten.Es ist kein Zufall, daß Münster so bald mit der Reformation und seineSöhne mit den Häuptern derselben Beziehungen anknüpften. Langen hatte den Boden vorbereitet und seine Stadt zum Herde des Humanis-mus erhoben. Mit diesem hielten auch die Buchdrucker und Buchhändlerihren siegreichen Einzug in Münster und lieferten die geistigen Waffen,welche jetzt täglich unentbehrlicher wurden.

Auf diese Pioniere, welche trotz ihrer Begeisterung für das klassischeAltertum noch fest an ihrtl Kirche hingen, oder von ihr abhingen, unddurch diese ihre Stellung vielfach in Zwiespalt mit sich selbst gerieten,folgte nun in der zweiten, in der wissenschaftlichen Periode des deut-schen Humanismus ein jüngeres Geschlecht, welches sich entweder ganzgleichgültig gegen die Kirche verhielt oder sie im geheimen erbittert be-kämpfte, indessen vorsichtig genug war, es äußerlich nicht mit Rom zuverderben. Es fing cm, dessen Ansprüche und Recht in Zweifel zu ziehen,die kirchlichen Überlieferungen kritisch zu widerlegen, den Klerus zu ver-achten und sich mit desto ungeteilterer Liebe der Heimat zuzuwenden.Diese Männer also eröffneten die zweite Periode des Humanismus.

Am besten gediehen sie in Basel und dem ganzen südwestlichen Deutsch-land, sowie später auch in Erfurt ; indessen gelangte der Humanismus selbstin Wien zu einer kurzen Blüte, wenn auch, weil nur von fürstlicher Gunstgepflegt, nur zu einer kurzen. Kaiser Maximilian schien durch seine Kunstund Wissenschaft gebrachten Huldigungen ein neues Zeitalter für Österreich herbeigeführt zu haben; allein mit seinem Tode (1517) starben alle von ihmliebevoll gepflegten Keime wieder ab. Es war eben nur ein flüchtigerZwischenakt, wie es deren auch sonst noch in der österreichischen Geschichtegibt. Übrigens wirkte die verständnisvolle Teilnahme dieses seingebil-deten Fürsten an allen idealen Bestrebungen seiner Zeit und sein freund-schaftlicher Verkehr mit Gelehrten und Künstlern anregend und veredelndauf sein Zeitalter und fesselte die bedeutendsten Moler, Bildhauer undGelehrten an seine Person. Der Kaiser machte Erasmus, Peutinger