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und Pirckheimer zu seinen Räten, berief Konrad Celtis (1459 bis 1508)1497 an die wiener Universität, ernannte Cuspinian (Spießheimer) zuseinem Sekretär und krönte Hütten zum Poeten. Es war hauptsächlichseine Gunst und sein Verdienst, daß während seiner Regierungszeit derScholastizismus an der wiener Universität sogar unterlag und daß dieHauptstadt einen der bedeutendsten Sitze des Humanismus bildete. Zuseiner Verbreitung und Pflege rief Celtis in Verbindung mit JohannFuchsmagcn und Peter Krachenberger eine freie Vereinigung gelehrterMänner ins Leben, die Donau-Gesellschaft, welche ganz unabhängig vonder Universität dastand und eine Art Akademie mit einem von ihr selbstgewählten Präsidenten und Geschäftsleiter bildete. Bischof Johann Vitezwär ihr erster Vorstand; ihm folgten Celtis und Cuspinian . Späterwurde aus ihr eine eigene wiener Genossenschaft, Contubernium, welchenoch immer Donau-Gesellschaft hieß. ^ Wie Wien Hunderte von wan-dernden Humanisten anzog, so herrschte auch ein reger brieflicher Ver-kehr zwischen den dort wohnhaften und den auswärtigen Gesinnungs-genossen. Cuspinian schrieb wiederholt an Reuchlin und Pirckheimer, mitwelchen aucb der Universitätskanzler Perger, ferner Fuchsmagen, Krachen-berger, Joachim Vadian, Simon Laz u. a. in schriftlichem Meinungs-austausch standen. Die Mehrzahl der Lehrer (einige hundert) und deroft 7000 Studenten der wiener Universität gehörten dem Humanismusan. Natürlich beschäftigten diese Kreise auch die wiener Buchdrucker-pressen und standen mit den bedeutendem Buchhändlern auf vertrauteinFuß. Mit der Blüte des Humanismus fiel auch die der Typographiezusammen, und dem innern Werte der von jenen bearbeiteten Klassiker,Reden und Schulausgaben entsprach die solide Arbeit und äußere Aus-stattung des Verlegers. So herrschte beiderseits eine fruchtbringendeThätigkeit. Während von theologischen Scbriften nur verschiedene Werkedes Hieronymus neu erschienen und Jurisprudenz und Medizin ebenfallsnur dürftig bedacht wurden, warf sich die Hauptthätigkeit der wienerHumanisten auf die kritische Bearbeitung der alten Klassiker. So ver-öffentlichte der Minorit Camcrs Ausgaben der besten Römer und Grie-chen nnd lieferte einen Kommentar zu Plinius ' Naturgeschichte; dieDeutschen Vadian, Stretziger, Agricola, Aesticampius und Wimphelingaber brachten tüchtige rhetorische Arbeiten, die Italiener Perger, Valla,Guarino endlich gute grammatikalische Werke.