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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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366 Schneller Verfall des Humanismus in Wien. Basel . ^Sechstes

So schnell aber, als unter Maximilian das geistige Leben in Wien wuchs, ebenso bald verlor es auch mit dem Tode des Kaisers seine Herr-schaft wieder. Unter dem Regiment des bigotten Königs Ferdinand undseiner Priester welkte es sogar schon dahin, ehe es nur, eine iu Öster-reich ausländische Pflanze, festen Fuß gefaßt hatte. Wie unter den ersten19 Druckern und Buchhändlern der Kaiserstadt sich nachweisbar nurein Wiener, Johann Singriener der Jüngere, befand ^, während diemeisten aus den deutschen Landen und zwei sogar aus Polen gekommenwaren, so bestand auch die größere Zahl der nach Wien berufenen Ge-lehrten aus Deutschen, sodaß mit ihrem Weggang nur geringe Spurenihrer Thätigkeit zurückblieben.

So unbefriedigend nun die hoffnungsreichen wiener Anfänge auchausliefen, so kräftig entwickelte sich dagegen der Humanismus in Süd-westdeutschland mit seiner Hauptstadt Basel . Hier war es weniger dieUniversität, obgleich diese den ersten humanistischen Lehrstuhl gegründethatte, als die vereinte wissenschaftliche Thätigkeit der Verleger und Ge-lehrten, welche ohne jede Unterstützung von außen erfolgreich für die Be-festigung der neuen und freiern Geistesrichtung arbeitete. Das meistezu diesem mächtigen Ausschwung trug Desiderius Erasmus bei, der von1513, beziehungsweise 1521 bis 1536 in Basel und Freiburg lebte, aberschon zu Anfang des Jahrhunderts der eigentliche Träger der Bewegunggewesen war. Er zog zugleich wissenschaftlich gebildete Männer und Stu-denten an, welche als'Textesrevisoren oder Korrektoren, oder auch als Setzerin den baseler Druckereien thätig waren und als Schüler der luol^ts.Ls6rlQÄiiiaö Ls-silsÄ, wenn sie diese verließen, ihre dort erworbenen Kennt-nisse und Anschauungen weiter trugen und, den Ruhm der Stadt überallhin verbreitend, zugleich neuen Nachwuchs anlockten.

Erasmus ist der bedeutendste und gefeiertste Vertreter der wissen-schaftlichen Periode des deutschen Humanismus. Ein Gelehrter, dessenStellung in der litterarischen Welt nur mit Voltaire's Einfluß im 18. Jahr-hundert verglichen werden kann^, ein Herrscher im Reiche der Geisterund einsder Augen Deutschlands ", hat er dem ganzen Zeitalter denStempel seines Genius aufgedrückt. Das andere Auge ist Johann Reuch-lin, dessen Streit mit den Kölnern die Brücke zur dritten und letztenPeriode des Humanismus bildet und in seinen Anfängen sogar noch derAnkunft des Erasmus in Basel vorausgeht.