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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitels Humanistisch-theologische Periode. Brüder vom gemeinsamen Leben. 363

wissenschaftlich gebildete Männer in ihre Interessen und Dienste zu ziehen.Es sei hier nur an die Koberger, Aldus und Froben erinnert, denen sichspäter die Oporin, Plantin und Etiennes würdig anschlössen. DieNachwelt ist mithin in erster Linie nicht sowohl den Gelehrten, welchekeine Verleger, als den Verlegern, welche Gelehrte waren oder sie hochschätzten, für die Erhaltung der Klassiker des Altertums und der mittel-alterlichen Theologen zu ewigem Dank verpflichtet. Ohne die Drucker-presse wären die glänzenden Siege des Humanismus kaum so entschei-dend geworden, und ohne diesen hätte auch der Handel mit Büchernnicht sobald einen so hohen Flug genommen.

Als den Vorläufern und Gründern der neuen geistigen Bewegunggebührt der erste Platz im erlauchten Kreise deutscher Humanisten denBrüdern vom gemeinsamen Leben", deren großer Verdienste um dieAusbreitung des Buchdrucks bereits im zweiten Kapitel gedacht wurde.Sie führten ihn in ihre eigenen Anstalten ein und machten ihn vorallem ihren Bildungszwecken dienstbar. Die mue Erfindung war ihnenein wirksameres Mittel als die Schrift, den Scholastizismus durch gründ-lichen Unterricht zu bekämpfen und das faule Mönchstum durch fleißigesStudium möglichst unschädlich zu machen. Unter ihrem Rektor AlexanderHegius (aus Heek bei Horstmar im Münsterlande, etwa 1433 bis 1498)entwickelte sich die Schule von Deventer zum Mittelpunkt der humanisti-schen Bewegung, und nach dessen Tode trat die inünstersche Domschuleunter dem gelehrten Domherrn Rudolf von Langen (geboren 1438 inEverswinkel, gleichfalls im Münsterlande, und gestorben 1519 in Münster )würdig an die Seite von Deventer . Radienförmig liefen von beiden Schu-len die Zweiganstalten der Fraterherren als Pflanzstätten humaner Bil-dung und gelehrter Forschung aus. Die gelehrtesten Männer der Zeithuldigten Hegius und Langen als ihren Meistern; ihre Schulordnunggalt ein halbes Jahrhundert lang als unerreichbares Muster, und ihreLehrbücher blieben ebenso lange, wenn nicht noch länger, im allgemeinenGebrauch. Deventer und Münster versorgten ganz Deutschland mit tüchtiggebildeten Lehrern und machten das Studium der Klassiker zur Grund-lage der gelehrten Bildung. Schlettstadt im Elsaß (Dringenberg ), späterMeißen, Pforta und Merseburg in Sachsen (Rivius) und Schwerin inMecklenburg (Daber Kusins), ja selbst Kopenhagen bezeichnen die äußerstenGrenzen, bis zu welchen die Schüler der holländisch-westfälischen Huma-