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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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362 Perioden des Humanismus. Aufgabe des Buchhandels. ^Sechstes

Führung; sie drücken hauptsächlich der zweiten Periode ihren Steinpcl auf.Die dritte, zeitlich kürzeste, aber inhaltlich vielleicht bedeutsamste, beginntmit dem Reuchlinschen Streit gegen die kölner Dominikaner , und hatihren geistigen Mittelpunkt in der Universität Erfurt. Diese letzte Periodeendet mit der Reformation, etwa um das Jahr 1520, wo Wittenberg an Erfurts Stelle die geistige Führung Deutschlands übernimmt unddie alten Kampfgenossen sich voneinander trennen. Ihre Hauptführcrwaren Hermann von dem Busche (1468 bis 1531) und Ulrich von Hütten (1488 bis 1523). So verschieden diese Strömungen nun auch seinmochten, sie trafen alle in demselben Streben, in der Hebung des geisti-gen Lebens zusammen. Wenn der Buchhandel anfangs vorzugsweise aufden engen Kreis der Klöster und einzelner Gelehrter beschränkt war, sobahnte das Wirken der Humanisten die Wege zu seiner größern Aus-dehnung und zu seinem lebhafter» Betriebe. Durch den Drang nachBildung wurde selbstredend auch das Verlangen nach Büchern geweckt undihre Herstellung ein täglich tiefer gefühltes Bedürfnis. Zu kaum einerandern Zeit ist deshalb auch die Aufgabe des Buchhandels eine stolzereund verantwortlichere gewesen, als um die Wende des 15. und 16. Jahr-hunderts. Es galt vor allem die alte klassische Litteratur der Mensch-heit neu zu erschließen, zunächst die besten ihrer noch erhaltenen Schätzeans Tageslicht zu fördern und durch den Druck wieder zum Gemeingutder gebildeten Welt zu machen. So rührten sich denn auch bald allefleißigen Hände, uud nicht allein in den verschiedenen Städten, sondernauch unter den einzelnen Ländern entfaltete sich ein reger Wetteifer, umden Nebenbuhler im friedlichen Kampfe zu überflügeln. Der Buchhaudelfing an, eine internationale Bedeutung zu gewinnen und eine feste Grund-lage zu erlangen, auf welcher er sich, unabhängig vom Zufall, methodischweiter entwickeln konnte. Unter diesen Umständen war es denn auchnichi genug, daß die Verleger tüchtige Drucker und große Kaufleutewaren; wenigstens die Führer unter ihnen mußten sich zum erfolgreichenBetrieb ihres Geschäfts eine so umfassende geistige Bildung zu eigen ge-macht haben, daß sie die litterarischen Schätze der Vergangenheit selbstzu verstehen und zu würdigen vermochten. Solcher Verleger gab es da-mals viele, wie dies das zweite und dritte Kapitel dargelegt haben; undwaren sie auch nicht selbst Gelehrte, so ließen sie es sich doch zum min-desten, wie auch schon früher gezeigt, keine Mühen und Kosten verdrießen.