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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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368 Erasmus' schriftstellerische Thätigkeit. Sein Charakter. ^Sechstes

den humanistischen Gedanken erschien diese Sammlung den Zeitgenossenals ein Schatzkästlein der Weisheit, welches den innern Zusammenhangder antiken mit der modernen Welt vermittelte. Das Lob der Narr-heit ,Moria,6 Lnoomiuni" war 1508 geschrieben, erschien zuerst1509 nach des Verfassers Rückkehr aus Rom und ist gleichfalls einegeistreiche Satire, in welcher dem Geschmack der Zeit entsprechend dieThorheit redend auftritt und die Schwächen der Welt mit feiner Ironieund vornehmem Hohn lächerlich macht. Seine Hauptangriffe warengegen die Geistlichkeit, vom Papste an, namentlich aber gegen die Mönchemit ihrer Beschränktheit, ihrem niedrigen Treiben, ihrem Bildungshasseund ihrer Verlogenheit gerichtet; sie trafen das alte System vernich-tend. DasLob der Narrheit " wurde denn auch noch später auf denpäpstlichen Index (der verbotenen Bücher) gesetzt. Die VertraulichenGesprächeOoUoqnia tamnliaria", welche zuerst 1519 ausgegebenwurden, 1530 aber zu ihrer jetzigen Gestalt gediehen, behandeln in leichtdahinfließendem Stil und in witzigen satirischen Bemerkungen die ver-schiedensten Gegenstände und Erscheinungen des öffentlichen und privatenLebens, tadeln mangelhafte oder verkehrte Einrichtungen und geißeln pe-dantische Grammatiker sowohl, als anmaßende Priester oder Bettelmönche.Das Werk erzielte eine durchschlagende Wirkung; in verhältnismäßigkurzer Zeit wurden 24000 Exemplare davon abgesetzt.

Außer seinen eigenen Werken erschienen von Erasmus noch vieleAusgaben von Klassikern und Kirchenvätern. So gab er die Sentenzendes Cato und Publius Syrus mit Schotten heraus, Seneca, Sueton nebst den übrigen Schriftstellern zur römischen Kaisergeschichte und einigenergänzenden Schriften neuerer Geschichtschreiber, Cicero vs OWoiis"undHng-estiovss ^usoulang-s", Plinius, Terenz, Livius, Demosthenes ,Ptolemäus, ferner die Kirchenväter Cyprian , Arnobius' Kommentareüber die Psalmen, Hieronhmus, Jrenäns, Ambrosius, Augustin, Epipha-nius, Laktanz, Chrhsostomus, Basilius Magnus und einen Teil desOrigenes, sodaß seine litterarische Thätigkeit eine wahrhaft staunens-werte ist.

Hochgelehrt und witzig, scharf und ironisch, geistreich und boshaft,heute kühn und verwegen im Angriff, morgen kleinlaut und verzagt imRückzug, höflich, ja unterwürfig gegen Hochstehende und Mächtige, hoch-mütig, selbst brutal gegen Schwache und Unglückliche: so beherrscht dieser