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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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369
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Äapitcl.I

Erasnms' Charakter und Verhalten.

kleinliche mw deck vornehme Mann die Geister an der Wende von zwei^ahrlmndertcn mit geberdct sich als Gegner des HumanisninS und derReformation, obgleich er sein ganzes Leben lang sür die ^reen gekämpfthatte, welche diese beiden gewaltigen Erscheinungen bedingten. So hatkein Hnmanist wuchtigere Hiebe gegen den römischen Klerus, gegen dasfaule Möuchslcbeu geführt, teiu Reformator überzeugender für die geistigeAuffassung der biblischcu Legende und für die Verinucrlichuug des Glau-bens geschrieben. EraSmuS war eben, wie die Dunketmännerbriefc ihncharakterisierten, ein Mann für sich und wollte es sein; er hat, wie ihnseine Gegner gern besehuldigteu, das Ei gelegt, welches Luther erst aus-gebrütet hat. Er war radikaler Humanist, dem die Bewegung vielfachnicht weit genug ging, aber er hielt sich von der Gefahr fern und sahdem Kampfe lieber von weitem zu. Als die Reformation aus den ihrvom Humanismus bereiteten Platz trat, zog er sich scheu in sein Studier-zimmer zurück, angeekelt von einer Bewegung, welche sich nicht an diegelehrte Welt, sondern an die Massen wandte uno diese zu Bundes-genossen, ja zu Schiedsrichtern im Kampfe gegen Rom aufrufen mußte.Erasmus war nicht für den Streit auf offenem Markte geschaffen, sobitter er auch hassen und aus sicherm Hinterhalte verwunden konnte: erwagte deshalb auch nicht ehrlich nach außen hin für seine Überzeugungeinzutreten. Es fehlte ihm jener Mut und jene Treue der Gesiuuuug,welche sich bei entschlossenen Charakteren gerade im Moment der Gefahrbewahren. Er wich deshalb auch ängstlich vor jeder entschiedene« Partei-nahme zurück. So geriet er denn sehr bald zwischen die streitendenParteien, deren keine ihm traute, ja nicht traueu konnte, wenn sie seineStellung in der Gegenwart mit seiner Vergangenheit verglich. Romhaßte ihn trotz der wichtigen Dienste, die er ihm geleistet hatte, baldcbcuso gründlich wie die Lutherauer. Allerdings konnte man einem sobcdcuteudcn vaterlandslosen Gelehrten, einem so vorurteilslosen Denkernickt zumntcn, daß er sich für alle Einzelheiten der Lutherschen Lehrebegeistcru sollte; allein in revolutionären Zeiten muß der einzelne sichin Fragen zweiten Ranges unterordnen und troy seiner vielleicht bessernEinsicht ciucr der streitenden Parteien sich anschließen, wenn er nichtvon der unaufhaltsam vorwärts drängcudcu Bewegung zermalmt werdenwill. Erasmus aber ist zugleich voll von Mißgunst und nicht frei vonNeid und Bosheit. Wenn ihn persönlicher Stolz verhindert hatte, festK-ipp, i. 24