Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
375
Einzelbild herunterladen
 

Kapitel.)

Seltenheit und Kostspieligkeit der Studienmittel.

375

1524 in Wittenberg über die Reden des Demosthenes las, mußten dieZuhörer sein Exemplar abschreiben, trotzdem daß es dort schon seit 1508einen Buchladcn gab. Konrad Paulus Scrivtoris trug 1499 eine großehebräische Bibel auf dem Rücken von Heidelberg nach Stuttgart , weiler das Kleinod keinem andern anzuvertrauen wagte. Renchlin war vomHerzog Wilhelm von Bayern mit einem Gehalt von 200 Goldguldenals Professor der hebräischen und griechischen Sprache nach Jngolftadtberufen worden.Da es hier kein einziges gedrucktes griechisches undhebräisches Buch gibt", schreibt er am 14. März 1520 an Hummels-berger^,welches in einer Zahl von mehr als 300 Exemplaren uuterso viele Zuhörer verteilt werden kann, so bin ich gezwungen, beide Spra-chen täglich auf vier Tafeln aufzuschreiben, sie täglich in zwei Stundenzu lehren nnd öffentlich so lange zu lesen, bis einmal durch einen glück-lichen Zufall derartige Bücher aus den Handelsplätzen zu uns gclaugcu."Der jüngere Basilius Amerbach , Sohn tes Bonifaz und bemittelt, ver-suchte noch 1552 bis 1.553, wo er in Tübingen studierte, vergebens, einLorxus ^juris" zu leihen. Im September 1553 ging er zur Fort-setzung seiner Studien nach Padua : hier sorgte sein Präzeptor für diejuristischen Handbücher, indem er die nötigsten unter der Bedingung beieinem Juden kaufte, daß derselbe sie beim Weggange Amerbachs gegenden Kaufpreis wieder annehmen nnd sich mit einem Kronenthaler Zinsbegnügen sollte. ^° Es war dort ein solcher mittelalterlicher Vertragnoch immer die gewöhnliche Art, wie Ausländer sich die zum Studiumuötigeu Bücher verschafften.

Seit Aldus ersparten wenigstens die gedruckten Werke der Klassikerden Studenten das mühsame Abschreiben und machten ihnen vor allem'den Besuch einer italienischen Hochschule vielfach entbehrlich. Mit ver-hältnismäßig wenig Geld konnte sich fortan mich der weniger Bemittelteciue kleine Handbibliothek kauseu. Ein so großer italienischer PatriotAldus auch war, die Förderung der Wissenschaft und die Verbreitungder alten Klassiker standen ihm immer in erster ^inie. Manche seiner^andsleute hielten es für unklug, die Kenntnis der griechischen Autorendurch den Druck allgemein zugänglich zu machen; sie fürchteten, daß dieBarbaren" sich dann zu Hause unterrichteil könnten und weniger ge-nötigt sein würden, nach Italien , der Quelle der Bildung, zu kommen.So erzählt Beatus Rhenanuö in der Einleitung zu den Werken des