382
sSechstes
kleinlichen und elenden Dingen?" Im Jahre 1514 wandte sich sogarder Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen auf Veranlassung seinesBibliothekars Georg Spalatin (1482 bis 1545) an Aldus, um von ihmdirekt die KlassikerauSgabm für die wittcnberger Bibliothek zu kaufen.Der Brief war aber nicht angekommen, wie Aldus am 9. Mai 1514 anSpalatin schreibt, der Austrag also auch nicht ausgeführt worden, undWittcuberg mußte sich ohne Aldincn behelfen.
So viel steht jedenfalls fest, daß Aldus selbst zu Anfang des 16. Jahr-hunderts noch keine regelmäßigen Verbindungen mit Deutschland hatte,und daß sein Verkehr mit Augsburg und Nürnberg nur ein gelegent-licher war. Obwohl ein ebenso umsichtiger Kaufmann, als erfahrenerVerleger, hatte Aldus 1501 noch kein wirkliches oder dauerndes Lagerin Deutschland . Hätte er ein solches z. B. schon damals bei den Ge-brüdern Alantsec in Wien gehabt, so würde er sicherlich, wie schonfrüher erwähnt, den dort lebenden Konrad Celtis nicht um seine Ver-mittelung für den Absatz einer Schrift gebeten haben. ^ Er kann augen-scheinlich keine Gelegenheit zu einer direkten Versorgung des wienerMarkts von sich selbst aus gehabt haben, Wohl aber muß jene Firma —ohne förmlich als Agent (Faktor) für Aldus bestellt gewesen zu sein —sich mit dem gelegentlichen Vertrieb seiner Drucke auf ihre alleinige Ge-fahr hin befaßt haben. Noch am 12. Dezember 1505 schickt HeinrichUrban vier Dukaten cm Aldus und bestellt Bücher dafür, welche durchdie Fugger nach Georgenthal gesandt werden sollten. Doch scheint Aldusdie Vermittelung dieses Hauses nicht besonders genehm gewesen zu sein;neun Jahre später, am 5. Mai 1514, schreibt er wenigstens an Spalatin,daß die Fugger nicht einmal Briefe für ihn nach Deutschland hättenbesorgen wollen, wenn er sie nicht im voraus für deren Beförderungbezahle. Am 19. Oktober 151C>, als alles anfing sich zum Frieden zuneigen, schrieb Heinrich Glarcanus aus Basel an Zwingli: „WolfgangLachner hat Leute nach Venedig geschickt, welche die besten Autoren inaldinischcn Ausgaben hierher bringen sollen. Willst Du welche haben,so sage es sofort und schicke mir bares Geld, denn es sind immer dreißigda, welche nach den Büchern langen, ohne nach dem Preise zu, fragen.Manche verstehen sie gar nicht, wollen sie aber doch haben." Eine solcheSendung brauchte damals je nach der Jahreszeit sechs Wochen bis zweiMonate, um an Ort und Stelle zu gelangen.