Kapitel.)
Umfang von Aldns' Bcrlaqsthätigkeit.
383
Nun war es aber AlduS sehr um den Absah feiner Verlagswerkezu thun, und er wäre gewiß der letzte gewesen, von Basel aus Aufträgeabzuwarten, wenn sich inzwischen der Charakter seiner geschäftlichen Be-ziehungen zu Deutschland geändert, er nunmehr etwa ein steheudcs Sägerin Deutschland zur Befriedigung seiner Kunden gehabt hätte. Offenbarhaben die fast ununterbrochenen Kriege des Kaisers Maximilian mitItalien und die dadurch bewirkte Unsicherheit der Straßen und derZahlungsverhältnisse den großen venezianischen Verleger von dem Be-suche oder der Beschickung der frankfurter Büchermessen abgehalten.Nicht einmal der Name Frankfurts kommt in seiner umfangreichen Kor-respondenz vor. Dagegen ist es wahrscheinlich genug, daß manches inBasel, Augsburg oder Nürnberg erhandelte Werk seines Verlags aufUmwegen nach Frankfurt gelangte nud dann dort auf der Messe weiterverkauft wurde. Erst seine Erben und Söhne gingen regelmäßig nachFrankfurt .' Das Geschäft bestand bis 1597, dem Todesjahre des Enkels,und veröffentlichte im ganzen 1049 Werke, worunter 137 theologische,21 juristische, 125 allgemein wissenschaftliche, 628 Klassiker und Wörtcr-oder Handbücher zu denselben, sowie endlich 138 geschichtliche.
Aldus war nur 20 Jahre in seinem Beruf thätig (1495 bis I5l5)und wurde während dieser Zeit sogar vielfach durch Kriege (wir 1506,1510 und 1511) und Gcldsorgcn in seinen Arbeiten gestört; indessenhat er trotzdem nicht weniger als 126 Werte von jenen 1049 gedruckt,von deren meisten er die handschriftlichen Quellen erst beschaffen undkritisch revidieren mnßte. Von diesen seinen Veröffentlichungen gehörennnr 2 der Theologie an, während 16 auf die Geschichte, 20 auf dieschönen Wissenschaften, 88 auf die alten Klassiker, Grammatiken nndHandbücher fallen. Ein juristisches Werk ist dagegen überhaupt nichtvon ihm verlegt worden. Einzelne Klassiker, wie Homer und Enripides,erschienen in je zwei Folianten, andere, wie Ovid , in drei Bänden undAristoteles sogar in fünf Folianten. Ednard Frommann hat in seinenvortrefflichen „Aufsätzen zur Geschichte des Buchhandels im 16. ^ahrhundert" (II, 11 bis 51) ans NcnonardS ,Anng.1ss cks 1'Imprimerioäes ^IÄS8" (II, 343 bis 383) Aldus' hauptsächliche Drncke nnd Verlags-werke alphabetisch zusammengestellt. Da indessen die Zeitfolgc ihrer Ver-öffentlichung ein übersichtlicheres Bild von Aldus' planmäßiger Thätig-keit bietet, so möge diese Liste im Anhange unter VIII in chronologischer