K.ipitc-l.Z
Johann Renchlins „Augenspiegel".
399
Reuchlin jede Kenntnis des Hebräischen ab und beschuldigte ihn, daß ersich von den Juden habe bestechen lassen. Dieser blieb die Antwort nichtschuldig und gab für die Herbstmesse 1511 bei Thomas Anshelm inTübingen den „Augeuspiegcl" heraus. Dieses Büchlein trat jetzt in denBordergrund der Debatte und des öffentlichen Interesses. Von denJuden und ihren Büchern war fortan keine Rede mehr, denn in demKampfe, der jetzt Deutschland in zwei große Parteien spaltete und dieGebildeten von ganz Europa in Mitleidenschaft zog, handelte es sich umviel Größeres und Wichtigeres, um das Recht der freien Meinungs-äußerung gegenüber inquisitorischer Verketzernng. Auf feiten Renchlinsstanden Männer wie Melcmchthon, Spalatin , Eoban Hesse, Franz vonSickingen, Ulrich von Hütten, Pirckheimer, Hermann von dem Busche ,Wolfgang Angst, Peutinger, Ökolampadius, Sebastian Brant , CrotusRubicmus u. s. w.; auf feiten der Gegner der rechtgläubige, aber be-schränkte und verfolgungssüchtige Klerus. Reuchlin weist in seiner Schriftden Vorwurf der Bestechuug unwillig zurück, widerlegt 34 Lügen Pfeffer-korns und namentlich dessen Anschuldigung, daß er, Reuchlin , kein Hebräischverstehe, ja, seine hebräische Grammatik nicht einmal selbst verfaßt habe.
Der Pleban Peter Meyer, der von 1510 bis 1524 in Frankfurt a. M.sich als Büchcrkvmmissar des Kurfürsten von Mainz geberdctc, verbotden vortigcn Buchhändlern den Verkauf des „Augenspiegels" auf derMesse. Hütten nennt diesen Meyer den unverschämtesten und ungelehr-testen Pfaffen von allen, welche Reuchlin übel wollten.-" Aus ander-weitigen Zänkereien mit der Stadt, dem Stift und dem Kurfürsten ister allerdings als ein auch sonst sehr zank- und händelsüchtiger Priesterunvorteilhaft genug bekannt. Als der Erzbischof jenes Verbot nicht be-stätigte, ließ Meyer seinen Schützling Pfefferkorn vor der Kirchenthür gegenden „Augenspiegel" predigen, der infolge dieser öffentlichen Angriffe, zu-mal er in deutscher Sprache und leidenschaftlich geschrieben war, nurdesto mehr Käufer fand. Des weitern sandte Meyer ein Exemplar derangeblich anstößigen Schrift an die kölner theologische Fakultät. Dieseaber übergab sie dem Professor Arnold von Tungern zur Prüfung dar-auf hin, ob etwas Ketzerisches darin zu entdecken sei.
Mit diesen, Schritt war der Streit auf den Boden der Kirchen-gewalt uud der Rechtgläubigkeit gezogen; im Hintergrund winkte sogar^ der Scheiterhaufen. Reuchlin , anfangs eingeschüchtert, leistete den ihm