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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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424 Verbreitung von Luthers Schriften: Die Nachdrucker. ^Siebentes

seinen Verlagsanteil an der Bibel entschädigt zu haben scheinen, bestimmtaber ihm die Cranachschen Holzschnitte zur Apokalypse abkauften. VonHans Luft aber, welcher nun allerdings ans lange Zeit der einzige Druckerder Luther-Bibel in Wittenberg blieb, heißt es, daß er davon bei Leb-zeiten des Reformators nicht weniger als 100(XX1 Exemplare gedruckt habe.

Die massenhafte Verbreitung der Lutherschen Werke und der durchsie hervorgerufenen Volkslitteratur wäre übrigens nicht in so groß-artigem Maßstabe erfolgt, wenn sich nicht drei starke Bundesgenossen jeder im eigenen Interesse und sich doch untereinander ergänzendin die Hände gearbeitet hätten. Es waren diese Bundesgenossen dieNachdrucker, die Buchsührer und die Prädikanten, die beidenletztern den Machthabern deshalb so gefährlich und verhaßt, weil sieüberall und nirgends auftauchten und, wenn hier ergriffen und grausamunterdrückt, dort wieder erschienen und vorsichtiger auftraten.

Man darf den Nachdruck jener Zeit nicht mit dem Maßstab derheutigen Anschauungen messen. Das elfte Kapitel wird diesen Unfug unddie allmähliche Entwickelung der dabei sich zeigenden Gewohnheiten undzum Schutze dagegen sich ausbildenden Rechtsnormen näher darlegen. Hierdaher nur so viel, daß für die damaligen Anschauungen der Nachdruckeigentlich als ein ganz legitimes Geschäft galt und daß, wie z. B. imfünften Kapitel gezeigt wurde, selbst Männer wie Johann Amerbach oderJohann Petri in dieser Beziehung ein sehr weites Gewissen hatten. Ja,auch die staatlichen Behörden fanden, wie der demnächst mitzuteilendeErlaß der Stadt Nürnberg zeigen wird, nichts Arges in dem Nachdruck.Ebenso wenig verständlich für die Gegenwart ist der naive Ausdruck desKummers Wolsgang Stöckels in Leipzig vor dem Rate der Stadt beiGelegenheit des 1524 von neuem erfolgenden Verbots der Reformationö-litteratur darüber, daß in Leipzig nichts verkauft und gedruckt wer-den solledas zu Wittenberg oder sust gemacht". Luther selbst warauch weniger ob der That des Nachdrucks seiner Schriften überhaupt,als ob der rücksichtslosen und frechen Art erbittert, in welcher derselbebetrieben wurde.

In der Verwahrung vom September 1525 wendet er sich zunächstan die Drucker und fragt sie, ob sie Diebe und Straßenräuber gewordenseien, weil sie ihm sein Eigentum stählen?Ich habe", führt er näheraus,die Postillen angefangen von der heiligm drei Könige Tage an.