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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
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Kapitel.)

Johan» Herrgotts tragisches Geschick.

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Schriftchens gewes'N sei der zeitgenössische Petrus Sylvius scheint ihnauch dafür zu hallen, nmß es aber nicht unbedingt bedeuten, zumal,soviel sonst bekannt, Herrgott sich nur mit dem Vertrieb der von ihmgedruckten Bücher abgab und das vorliegende Schriftchen, um jene Be-merkung zu rechtfertigen, nur in seinem Besitze gefunden zu sein braucht.Jedenfalls wurde es von ihm, und in Leipzig von einigen Studenten,verkauft. Letztere Thatsache ist bezeichnend für die Ausdehnung und Ein-träglichkeit des Hausiergeschäfts, sie zeigt, welche Hilfstruppen dein wan-dernden Buchführer zur Verfügung standen. Lange Zeit hat sich durchdie einschlägige Litteratur die Sage fortgeschleppt: Herzog Georg derBärtige von Sachsen, ein ebenso erbitterter Feind Luthers als der auf-ständischen Bauern, habe Johann Herrgott im Jahre 1524 seiner reli-giösen Überzeugungen halber hinrichten lassen. Diese Annahme ist schonum deswillen hinfällig, weil die Herrgottsche Flugschrift gar nicht gegenden Papst,unsern heiligen Bater", gerichtet ist, sich vielmehr gegenalle Sekten, also auch gegen die Reformation wendet. Seit den Kirch-hoffschen Forschungen und dem durch sie bekannt gewordenen Inhalt desBüchleins steht vielmehr fest, daß Herrgott den Tod wegen seiner sozial-agrarischen Propaganda erlitt. Akten über den Prozeß sind nicht mehrvorhanden. Nur einige kurze Notizen werfen ein düsteres Licht auf denFall. Einmal nämlich findet sich auf Blatt 127 der leipziger Stadt-kassenrecbnung von 1527 die Ausgabe verzeichnet, welche die Überfüh-rung der die Flugschrift vertreibenden beiden Studenten von Leipzig nachDresden und zurück verursacht hatte. Dann wurde dem Ratszimmer-meister in der Woche nach Cantate der Lohn für zwei Hilfsarbeiter aneinem Tage ausgezahlt, was auf das Aufschlagen des Schafotts hin-deutet, endlich aber heißt es ganz Positiv auf Blatt 114 der bereits er-wähnten Stadtkassenrechnung:Sadbato xost (Äntats. Vom Hergotzu begraben dem Todengräber 6 gr." Kostbar war, wie man sieht,das Begräbnis nicht. Fünfundsiebzig Pfennige! soviel wie etwa heutedrei Mark! Die beiden Studenten aber kamen mit leichter Strafe davon.

Die Prädikar.ten, die Dritten im Bunde mit den Nachdruckernund Buchführern, erlangten dadurch eine so hohe Bedeutung für denBuchhandel, daß sie mittels des gesprochenen Wortes den Bildungstriebin die Massen trugen, sie geistig hoben, also auch das Bedürfnis nachBüchern weckten. Während aber die Buchsührer nur geschäftlich mit