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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Dic Prädikanten und ihr Auftrete».

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dem Volke verkehrten und mit dem Vertrieb ihrer Ware möglichst leichtund schnell Geld zu gcwinueu suchten, machten die Prädikautcu dagegenlediglich geistige Propaganda für ihre Überzeugung und suchten durch dieVerteilung von Flugschriften, weuu sie überhaupt welche bei sich führten,neue Anhänger für ihre Ansichten zn gewinnen. So wenig sonst auchBuchführer und Prädikautcu geistig miteinander gemein hatten, so trafdie Thätigkeit dieses leichten Fußvolks der Reformation doch in demeinen Punkte zusammen, daß sie dic im Dieuste der nc 'ien Ideen stehendeLitteratur mächtig förderten und Huuderttauseude für die neuen An-schauungen gewannen.

Die Prädikanten uuu waren teils ehemalige Priester, teils Laien undheuchelten oft uoch sogar eine gewisse Unbildung, um ihres Eindrucksauf die Massen desto sicherer zu sein. Sie suchten, das Land durch-ziehend, durch ihre Predigten die Gemüter für die neue Lehre zu ent-flammen und wußten sehr geschickt die Saiten anzuschlagen, welche beiihren Zuhörern begeisterten Anklang fanden. In der Regel hielten siesich uicht zu lange an einem Orte auf, predigten dort, bis sie für ihreAuffassung des Evangeliums Boden gewonnen zu haben glaubten, oderbis sie durch Gewalt vertrieben wurden. Nach dem Zeugnisse der Zeit-genossen sind sie von unermeßlichem Eiufluß auf das Volk gewesen, dasie, selbst aus ihm hervorgegangen, seine Bedürfnisse, Beschwerden undLasten genau kannten und seine Leidenschaften anzustacheln wußten. Weilsie zudem nirgends lange blieben, zeigten sie sich überall in ihren glän-zendsten Eigenschaften. Das Ungewohnte, Neue und Geheimnisvolle,welches diese Männer umgab, konnte nicht verfehlen, cinui tiefen Ein-druck auf die Massen hervorzubringen. Natürlich gab es unter diesenPrädikanten edle und gemeine Charaktere, einerseits Männer von idealerLebensauffassung und schwärmerischer Begeisterung, welche ihre ganzePersönlichkeit freudig für ihre Sache einsetzten, wie namentlich die erstensogenannten Wiedertäufer, und andererseits niedrige Demagogen, die inihrer bisherigen Lebensstellung Schifsbruch gelitten hatten, oder selbst-süchtigem Trüben Vorteile für sich erstrebten. Dem Einen waren sieEngel, dem Andern Teufel. Der Erfurter Mechler erblickt in ihnen diewichtigste Stütze des Evangeliums, der katholisch gebliebene PriesterUsingen dagegen will alle Prädikanten als Falschmünzer verbrannt wissen;und dabei war er einer der Gemäßigtsten. Zu den geistig bedeutendsten