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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Die Anfänge der frnnffurter Buchcrinesse,

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nungsstcidt an? Main brachten. Schon die Schriftsteller des Mittel-alters erschöpfen sich im Lobe ihrer Messen. Einer nennt sie das Hauptaller Jahrmärkte auf Erden, der andere den kleinen Inbegriff der Welt,der dritte das Kaufhaus der Deutschen, der vierte den berühmtestenMarkt Europas .

Diesem blühenden Verkehr führte die nach der Einnahme von Mainz ,also seit 1463 sich ausbreitende Buchdruckcrkunst gegen den Anfang desletzten Drittels des 15. Jahrhunderts einen neuen einträglichen und denfür die Gesittung der Welt bedeutendsten Meßartikel zu. Es war derBuchhandel mit seinen Erzeugnissen, nicht nur von Deutschland und denangrenzenden Ländern, sondern auch von Italien, Frankreich, England und Spanien .

Man hat bisher in Ermangelung quellenmäßiger Nachweise fast all-gemein angenommen, daß die ersten Büchcrumschläge auf der frankfurterMesse etwa um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts begonnenhaben könnten; indessen steht nach den inzwischen aufgefundenen Aktenfest, daß sie jedenfalls schon in den sechziger Jahren des 15. Jahrhun-derts stattgefunden haben. Das ergibt sich klar aus der schon im zwei-ten Kapitel erwähnten Jntcrzcssion des frankfurter Rats vom 3. Juni1469 für Fust und Schöffer bei dem Magistrat von Lübeck . Die be-treffende Schuldfordernng konnte nicht vor 1462 entstanden sein, da dieachwndvierzigzeiligc Bibel erst am 14. August 1462 vollendet wurde,auch nicht nach 1466, da Fnst in diesem Jahre starb und Schöffer erstvon 1467 an das Geschäft für sich allein weiter führte. Man kannalso mit einigem Recht sageu, daß bereits die ersten Buchdrucker, welcheihre Kunst geschäftsmäßig ausbeuteten, daß Fust und Schöffer die großefrankfurter Messe zugleich zur Buchhändlcrmessc prädestinierten. Dieaus der Ferne herzuströmcnden Kaufleute, wie jene hier in Betrachtkommenden lübecker, konnten Wohl in Frankfurt iu die neucu Buchlädenkommen, würden aber schwerlich den Umweg über Mainz zum Verlegergemacht haben, um ewige verhältnismäßig unbedeutende Artikel einzu-kaufen. Früher oder später hätten allerdings die Erzeugnisse der neueuKunst wohl den alten bewährten Markt aufsuchen müssen; aber fraglichkann es dennoch sein, ob Fust und Schöffer ihr Samenkorn im vollenBewußtsein der spätern Tragweite ihres Vorgehens ausstreuten. Dennbekannt ist ja, daß beide, obschon sie es mit beiden Parteien gehalten