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suchte die frankfurter Messe im Herbst 1495, 1498 und 1499 und Ostern1503, hatte jedoch stets einen Diener (Faktor, Vertreter) dort. Amer-bach konnte krankheitshalber die Herbstmesse 1496 nicht besuchen, trafaber in der Herbstmesse 1498 mit dem nürnberger Geschäftsfreund dortzusammen. Wenn sie beide verhindert sind, einander in Frankfurt zusehen, so melden sie es sich vorher unter Mitteilung des Grundes: soim Herbst 1496, Ostern 1500, Herbst 1501 und Osteru und Herbst1502. „Item, lieber Meister Hans", heißt es in Kobergers Brief vom19. August 1502 an Amerbach, „jch fug euch zu wissen, das jch aufsdie künfftig Herbstmeß nicht wird komen, ursach das jch wissen hab,das es über die meß here da stirbt." Einmal sind es also Epidemien,dann wieder unruhige Zeiten, wie Krieg oder auch mangelndes Geleit,welche allein den regelmäßigen Meßbesuch verhindern. Wenn aber dersonst so bescheidene Koberger mit gerechtein Selbstgefühl (21. März 1502)schreiben kann, daß auf ihm, Amerbach und Johann Petri fast aus-schließlich der deutsche Buchhandel ruhe, so läßt sich doch voraussetzen,daß die kleinern Verleger und Buchführer, schon damals so gut wiespäter, dem Beispiel der großen gefolgt sind und regelmäßig die Messebesucht haben; denn obgleich der buchhändlerische Meßbesuch ebenso gutden Verkehr mit dem großen Publikum, anfänglich Wohl sogar aus-schließlich, ins Auge faßte, so mußten doch jene Kleinen immerhin dieHauptabnehmer für diese Großen sein. Frankfurt tritt also ins neueJahrhundert als der allgemein anerkannte Mittelpunkt des deutschen, jades europäischen Buchhandels ein, und Koberger spricht von dieser seinerBedeutung als einer sich ganz von selbst verstehenden Thatsache; vonihrem Ausfall hängt — wie sich das schon aus der Darstellung im fünf-ten Kapitel ergibt — gewissermaßen das Geschäft überhaupt ab. Aufdie Messe richten sich die Verleger ein, streben danach, ihre neuen Ver-lagswerke rechtzeitig für dieselbe fertig zu stellen; auf den Meßbesuch auchder Buchdrucker und Buchführer spekulieren bereits die frankfurter Haus-besitzer. Unterm 15. Februar 1506 weist Koberger Amerbach au, 100 Exem-plare des von diesem gedruckten Hugo nebst 300 bis 400 Registern nachFrankfurt zu senden, weil ihm sein Wirt ein gutes Gewölbe habe bauenlassen, in welchem die Bücher so schön und sicher lägen als in Nürn-berg . Wenn aber ein Hauswirt einen Teil seines Hauses zu einem Ge-wölbe einrichtet, so muß der Handelszweig, für den es geschieht, sich doch