Kapitel.) Briefaustausch. Hcrrichtung der Gewölbe. 469
auch auf ihren größern Geschäftsreisen. Der wittenberger BuchführerJost Sturtzkopff z. B., welcher von 1545 bis 1555 regelmäßig von Zeitzu Zeit Dänemark mit einem Bücherlager besuchte, besorgte dabei dieKorrespondenz und die Geschäfte zwischen Bugenhagen und Christian III. ,war sogar eine Art von Vertrauensperson, welche dem König mündlichüber kirchliche Verhältnisse und Vorkommnisse Bericht erstatten mußte.Derartige Kommissionen wollten bei der Ankunft in Frankfurt erledigtwerden, vielleicht wurden die Briefe auch wohl von persönlich anwesen-den Gelehrten bei den Überbringern abgeholt. Unzählig sind die Noti-zen darüber in den gedruckten Briefwechseln des 16. und 17. Jahrhun-derts; der jenaer Buchhändler Konrad König sagt im Jahre 1558, daßer „viel briev die messe pflege hinabzuführenn" und „wan es messe Zeitime von vilen orthenn brieve hinabzuführen zugeschickt wurdenn". ^ Bisin die neueste Zeit hat dieser Postdienst des Buchhandels gedauert; erstdas billige Porto hat ihm ein Ende bereitet.
Die Läden oder Gewölbe mußten dann in Ordnung gebracht, dieLagervorräte revidiert und in Stößen zurechtgesetzt werden; bedenklicheArtikel oder Nachdruckssachen, bei denen man eine Beschlagnahme be-fürchten konnte, oder derenthalben vielleicht gar schon ein Verbot statt-gefunden hatte, wollten unter andere versteckt sein, oder mußten mög-lichst hoch oben oder in finstern Ecken des Gewölbes den spähenden Augendes Fiskals (anfänglich des mainzischen sdes Plebans zu St. Leonhard),später des kaiserlichen) entzogen, eventuell doppelte „Register" (Lager-inventuren) — das eine für den Geschäftsgebrauch, das andere für dasAuge der Behörde — vorbereitet werden.^ An Thür und Fensterwurden die Titelblätter der neu zur Messe gebrachten Bücher angeschla-gen, daneben die Verlagskataloge in Plakatform; Sigismund Feyerabendund Theodor de Brh in Frankfurt schmückten die ihrigen, an sich schonelegant ausgestatteten, gar mit ihren eigenen von Raphael Sadeler undMatthäus Merian gestochenen Bildnissen. Daneben hingen dann baldkurze Auszüge aus den neuerhaltenen Privilegien (Isvor xrivilsZii) zurschnellern Information für die Geschäftsgenossen, in späterer Zeit auchförmliche Prospekte über künftig erscheinende Bücher. Flugschriften undKlein-Litteratur boten sich wohl auch in besondern Auslagen selber an.
So harrte das vorgerichtete Gewölbe der Einkäufer. Große Hand-lungen, mit starkem in die Ferne sich ausdehnendem Sortimcntsbetrieb,